Ist Schlaf wichtig für meinen Temperaturhaushalt?

Schlaf und Körpertemperatur hängen eng zusammen [137]. Menschen und viele andere Säugetiere können vor allem dann gut einschlafen, wenn ihre Körperkerntemperatur sinkt. Die Wärme wird dann über die „Körperschale“, also unsere Haut und unsere Extremitäten (Kopf, Hände oder Füße), abgegeben. Auch die Temperatur in unserem Gehirn nimmt mit dem Einschlafen leicht ab [138]. Damit während des Schlafs möglichst wenig Energie für den Erhalt der Körpertemperatur verwendet werden muss, suchen sich viele Tiere vor dem Einschlafen ein wärmendes Nest, kuscheln sich an Artgenossen oder rollen sich zusammen. Auch wir Mensehen schlafen je nach Umgebungstemperatur gerne unter einer Bettdecke. Wenn wir nicht schlafen oder unser Schlaf gestört ist, kann dies unsere Temperaturregulation stören. Werden z. B. Ratten mehrere Tage am Schlafen gehindert, suchen sie sich nach und nach wärmere Orte zum Schlafen [139]. Auch beim Menschen führt ein gestörter Schlaf zu einem geringeren Absinken der Körperkerntemperatur und damit zu einem stärkeren Verlust von Wärmeenergie [140]. Dies könnte den größeren Appetit auf Süßes erklären: Wir versuchen, durch die höhere Zufuhr an Nahrung den Energieverlust auszugleichen, der durch die erhöhte Körperkerntemperatur während des Schlafs entstanden ist.

Besonders wichtig ist das Abkühlen unserer Körperkerntemperatur für den mitteltiefen Schlaf und den Tiefschlaf. In verschiedenen Studien führte das Abkühlen des Kopfes oder des Nackens durch ein Kühlkissen während des Schlafs zu einer Verlängerung des Tiefschlafs [141] [142]. Und auch die Häufigkeit des Aufwachens ging beim Kühlen des Kopfes zurück [143]. Im REM-Schlaf steigt unsere Körperkerntemperatur eher wieder an [144]. Doch beweisen diese Ergebnisse, dass der Schlaf wichtig für unsere Temperaturregulation ist? Nach dem Basler Forscher Kurt Kräuchi ist es eher umgekehrt: Unsere Temperaturregulation ist wichtig für das Einschlafen und Durchschlafen [145]. Denn das Absenken der Körperkerntemperatur passiert vor dem Schlaf und bereitet so das Einschlafen vor. Der Schlaf kann also in diesem Sinne keinen Einfluss auf das Absenken der Körperkerntemperatur haben, zumindest nicht beim Einschlafen. Schwankungen in der Körpertemperatur hängen wahrscheinlich eher mit unserem zirkadianen Rhythmus zusammen und geben uns so ein optimales Zeitfenster für den Schlaf vor.

 
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