Schützt Schlaf vor Bluthochdruck?

Schlaf beeinflusst unseren Blutdruck [169]. Wenn wir kurzfristig nicht oder wenig schlafen, erhöht sich der Blutdruck. Er kann sich normalisieren, wenn wir wieder ausreichend schlafen. Wenn der Schlafmangel aber über längere Zeit anhält, wird unser Herz-Kreislauf-System beeinträchtigt, und es kann zu einem langfristig erhöhten Blutdruck kommen.

Mehrere Untersuchungen weisen diesen Zusammenhang zwischen einem zu kurzen oder gestörten Schlaf und einem erhöhten Blutdruck nach [170]. So haben Erwachsene ein 1,7-fach erhöhtes Risiko, an Bluthochdruck zu erkranken, wenn sie regelmäßig nur sechs Stunden oder weniger schliefen [171]. Interessanterweise fand die Messung der Schlafdauer in dieser Studie zweieinhalb Jahre vorher statt. Zu diesem Zeitpunkt waren alle Versuchsteilnehmerinnen noch gesund und hatten keinen erhöhten Blutdruck. Ein kurzer Schlaf führt also zu einem erhöhten Risiko, in einem Zeitraum von zweieinhalb Jahren an Bluthochdruck zu erkranken [172]. Zu langer Schlaf zeigte dagegen keinen Zusammenhang mit Bluthochdruck. Eine weitere Studie mit über 100000 Teilnehmerinnen fand ebenfalls ein erhöhtes Risiko bei Kurzschläfern, mehrere Jahre später an Bluthochdruck zu erkranken [173]. Der zu kurze Schlaf kommt in diesen Studien vor der Entwicklung des Bluthochdrucks. Dies macht es wahrscheinlich, dass es der Schlaf ist, der den Bluthochdruck verursacht, und nicht umgekehrt.

Neben der Schlafdauer zeigt sich auch ein Zusammenhang zwischen der gefühlten Schlafqualität und Bluthochdruck: Personen, die ihre Schlafqualität als schlechter bewerten, sind eher von Bluthochdruck betroffen [174]. Auch die Insomnie, deren Diagnose maßgeblich auf einer subjektiven Bewertung des Schlafs basiert, erhöht das Risiko eines erhöhten Blutdrucks [175]. Schlafstörungen durch schlafbezogene Atemaussetzer begünstigen ebenfalls die Entwicklung von Bluthochdruck [176]. Das Risiko ist besonders groß für Männer. Je ausgeprägter die Schlafstörung ist und je häufiger die Patienten nachts Atemaussetzer haben, desto höherwird das Risiko [177].

Trotz der recht eindeutigen Auswirkung eines kurzen oder gestörten Schlafs auf den Blutdruck sind die Ursachen nicht völlig geklärt [175].So scheint ein schlechter Schlaf insbesondere den typischen Abfall des Blutdrucks im Tiefschlaf zu beeinträchtigen. Weiterhin könnte ein gestörter Schlaf unser generelles „Anspannungsniveau“ erhöhen und somit das Herz-Kreislauf-System stärker aktivieren.

Wenn ein schlechter Schlaf unseren Blutdruck erhöht, kann ich ihn dann durch Schlafverlängerungen wieder absenken? Leider gibt es hier noch sehr wenige wissenschaftliche Ergebnisse. In einer Studie an 22 Personen mit erhöhtem Blutdruck führte eine 35-minütige Schlafverlängerung über sechs Wochen zu einer leichten Reduktion des Blutdrucks [178]. Diese Veränderung unterschied sich aber nicht eindeutig von der Vergleichsgruppe, die ihren normalen Schlafrhythmus beibehielt. In einer weiteren Studie an 16 Erwachsenen führte ein sechswöchiges „Schlafprogramm“ über eine Software auf dem Mobiltelefon und wöchentliche telefonische Schlafberatungen zu einem verbesserten Schlaf sowie zu einer Absenkung des Blutdrucks [179]. Schlafverlängerungen und Schlafverbesserungen scheinen also tatsächlich das Potenzial für eine Senkung des erhöhten Blutdrucks zu haben. Ob Schlafoptimierung tatsächlich das Risiko von Bluthochdruck bei größeren Personenzahlen reduzieren kann, müssen zukünftige Studien erst zeigen.

 
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