Wie lange vor dem Schlaf sollte ich aufhören, Wasser zu trinken?

Manchmal wird unser Schlaf gestört, da wir während der Nacht auf die Toilette müssen. Zunächst einmal ist das ein ganz normaler Vorgang: Ist unsere Blase voll, dann wird ein „Wecksignal“ an unser Gehirn gesendet, und wir wachen auf. Ob wir nachts aufs Klo müssen, hängt also von der Menge an Flüssigkeit ab, die wir abends noch trinken. Bei Kindern funktioniert dieser Aufweckmechanismus manchmal noch nicht richtig [37], sie nässen in ihr Bett. Gerade bei Kindern bis fünf Jahre wird dies als normales Phänomen angesehen. Es sollte mit zunehmendem Alter weniger werden und aufhören. Die Gründe für das kindliche Bettnässen liegen sehr wahrscheinlich in einer stärkeren Aktivität der Blase und/oder einer geringeren Blasenkapazität in der Nacht. Nur bei einem sehr kleinen Teil bleibt das Bettnässen bis ins Jugendlichen- oder Erwachsenenalter bestehen. Bettnässen kann aber auch bei psychischen Belastungen erneut auftreten, (z. B. durch die Geburt eines Geschwisters oder die Trennung der Eltern).

Im hohen Alter kann es passieren, dass sich die nächtlichen Toilettengänge häufen. Viele Betroffene fühlen sich bereits in ihrem Schlaf gestört, wenn sie regelmäßig nachts zweimal auf die Toilette gehen müssen. Dies betrifft schätzungsweise ein Drittel der Seniorinnen [38]. Die nächtlichen Toilettengänge stören den Schlaf, reduzieren die Lebensqualität und erhöhen das Risiko von Stürzen. Umgekehrt verstärken bestehende Schlafstörungen (z. B. Atemaussetzer) auch den Drang, nachts auf die Toilette zu gehen. Es gibt also eine gegenseitige Beeinflussung von Schlafstörungen und Harndrang. Mögliche Gründe für wiederholte nächtliche Toilettengänge können auch eine überaktive Blase oder andere Krankheiten wie Herzprobleme oder Diabetes sein. Bestimmte Medikamente können ebenfalls den nächtlichen Harndrang verstärken.

Da der nächtliche Harndrang von der aufgenommenen Flüssigkeitsmenge beeinflusst wird, ist es sinnvoll, ca. zwei bis drei Stunden vor dem Schlafen große Mengen an Flüssigkeit zu vermeiden und insbesondere auf Kaffee und Alkohol zu verzichten. Andere Getränke wie Wasser können aber durchaus in moderaten Mengen konsumiert werden. Interessanterweise ergab eine Studie, dass Personen, die in der Nacht wiederholt auf die Toilette müssen, abends ungefähr genauso viel trinken wie Personen, die durchschlafen [39]. Moderate Mengen an Flüssigkeit können also durchaus getrunken werden. Als weitere Behandlungsmöglichkeiten gelten bestimmte körperliche Übungen, bei denen die Schließmuskeln der Blase trainiert werden. Ein anderer wichtiger Ansatzpunkt ist die Behandlung eventueller Schlafstörungen wie der schlafbezogenen Atemaussetzer oder der Insomnie, da sie ebenfalls den Harndrang in der Nacht verstärken.

 
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