Fördert Alkohol das Einschlafen?

Ja. Alkohol fördert das Einschlafen [59]. Zusätzlich verlängert er den Tiefschlafanteil und reduziert die Wachperioden, vor allem in der ersten Nachthälfte. Man schläft also schneller ein und schläft zunächst tiefer und fester. Dieser Befund wurde schon im Jahr 1883 beschrieben, obwohl es damals noch keine Geräte zur objektiven Messung des Schlafs gab: Personen, die Alkohol getrunken hatten, ließen sich schwerer durch Töne wecken als Personen, die keinen Alkohol getrunken hatten. In der zweiten Hälfte der Nacht wacht man nach dem Konsum von Alkohol dagegen etwas häufiger auf, vor allem wenn viel getrunken wurde. So zeigte sich auch in einer Untersuchung im Alltag von über 5000 Personen, dass die Teilnehmer häufiger aufwachten, wenn sie abends Alkohol getrunken hatten [57]. Ab drei Gläsern Bier verringert sich außerdem der REM-Schlaf in der ganzen Nacht.

Aus der Sicht des Schlafforschers erscheint die (kurzfristige) Wirkung des Alkohols auf den Schlaf zumindest in der ersten Nachthälfte erst einmal schlaffördernd. Ein Gläschen Wein oder ein Bier am Abend sollten also eher positive Effekte auf das Einschlafen und den Tiefschlaf haben. Aus gesundheitlicher Perspektive ist dagegen von der Verwendung von Alkohol als Einschlafhilfe unbedingt abzuraten. Gerade weil Alkohol diesbezüglich funktioniert, können Menschen mit Schlafproblemen schnell in eine Abhängigkeit geraten und vermehrt Alkohol konsumieren. Beim Entzug von Alkohol wird dann auch der Schlaf schlechter, das Einschlafen wird schwieriger und der Tiefschlaf nimmt ab [60]. Zusätzlich führt der regelmäßige Konsum von Alkohol (z. B. jeden Abend) schnell zu schweren gesundheitlichen Problemen, die wiederum den Schlaf stören. So treten bei Personen mit starkem und regelmäßigem Alkoholkonsum vermehrt Schlafstörungen auf [61]. Ein zusätzliches Risiko ist, dass Alkohol am

Abend eine stärkere Entspannung der (Hals-) Muskulatur bewirkt. Das führt bei Menschen, die sowie schon eine Tendenz zum Schnarchen haben, zu einer Verstärkung des Schnarchens, was auch das Auftreten von Atemaussetzern im Schlaf verstärken kann [62] (siehe Frage Was sind schlafbezogene Atemstörungen? in Kapitel 4).

Alkohol ist also als regelmäßige Schlafhilfe nicht geeignet. Er löst keine Probleme, sondern schafft neue.

 
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