Warum helfen Rituale beim Einschlafen?

Fast zwei Drittel der Deutschen nutzen eine Art von Einschlafritual [72], also eine wiederkehrende Tätigkeit oder eine sich wiederholende Routine vor dem Einschlafen. In einer Umfrage aus dem Jahr 2004 in Deutschland gaben die meisten Befragten an, im Bett noch zu lesen. Dies galt insbesondere für höhere Bildungsschichten, während niedrigere Bildungsschichten eher angaben, den Fernseher als Einschlafhilfe zu benutzen. Doch auch das abendliche Zähneputzen und das Anziehen des Pyjamas oder Nachthemds wiederholen sich jeden Abend. Diese „Bettroutinen“ haben eine förderliche Wirkung auf unseren Schlaf.

Gerade bei Kindern sind den Schlaf vorbereitende Routinen und Rituale sehr wirksam, um das Ein- und Durchschlafen zu fördern [73]. Den Fischen im Aquarium Gute Nacht sagen, noch ein Bilderbuch im Bett anschauen, ein Gute-Nacht-Lied und ein Kuss ... Wiederholt sich ein solcher Ablauf jeden Abend, so kann sich das Kind auf den Schlaf einstellen. Je nachdem müssen diese Routinen auch länger sein und mehr Schritte enthalten. Aktivierende Routinen sind dagegen eher ungünstig, wie z. B.

exzessives Toben oder Mediennutzung vor dem Schlaf [74]. Bei Erwachsenen können auch Alkoholgenuss oder Schlafmittel als „Einschlafritual“ angesehen werden. Und obwohl auch solche Gewohnheiten unabhängig von den eigentlichen „Wirkstoffen“ das Einschlafen erleichtern, ist es aus gesundheitlichen Gründen besser, sie durch andere Rituale zu ersetzen.

Warum wirken Routinen förderlich auf unseren Schlaf? Unser Körper lernt durch Wiederholungen. Gerade unsere innere Ruhe und Schlafbereitschaft können wir nur schwer bewusst steuern. Durch häufige Wiederholungen können wir aber selbst Dinge erlernen, die man nur schwer willentlich steuern kann. Dies gilt z. B. auch für Tätigkeiten wie Fahrrad- oder Skifahren: Nur durch häufiges Üben lernt unsere Motorik, wie wir auf einem Fahrrad oder den Ski unser Gleichgewicht halten können. Irgendwann geschieht dies dann fast automatisch. Sehr wahrscheinlich wirken Routinen ähnlich. Durch die häufige Wiederholung bestimmter Tätigkeiten am Abend und den folgenden Schlaf lernt unser Körper, dass es zwischen den Ritualen und dem Schlaf einen Zusammenhang gibt. So kann er sich bereits vor dem eigentlichen Zubettgehen auf den Schlaf vorbereiten und zur Ruhe kommen. Wenn wir dann im Bett liegen, fällt uns das Einschlafen leichter. Ein weiterer Aspekt ist, dass Gewohnheiten ein Gefühl der Sicherheit und Vertrautheit vermitteln. Dieser Aspekt ist wichtig für das Einschlafen, wirkt sich aber auch positiv auf das Durchschlafen aus. Deshalb ist die Etablierung eines entspannenden Rituals am Abend eine sehr sinnvolle Sache - für Kinder wie für Erwachsene.

 
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