Was ist Schlaf- oder Traum-Yoga?

Yogaübungen fördern die Beweglichkeit und wirken gleichzeitig entspannend. Auf mehreren Webseiten werden daher bestimmte Übungen als Einschlafhilfe und Abendritual empfohlen (siehe z.B. [110]). Die Übungen fokussieren dabei meistens auf das Loslassen von stressigen Erlebnissen des Tages.

Doch mit dem Begriff „Traum-Yoga“ sind nicht unbedingt körperliche Übungen gemeint. Hier geht es eher um bestimmte Meditationsübungen, mit dem Ziel, die eigenen Träume zu beeinflussen [111]. Angeblich werden die Anleitungen dazu nur von eingeweihten Yogameistern an „befugte“ Personen weitergegeben. Im Traum soll dabei ein Zustand der „Klarheit“ erreicht werden, um während des Traumes zu merken, dass man träumt. Dies entspricht dem Konzept des Klartraums (siehe Frage Was sind Klarträume? in Kapitel 2).

Während dieser Traumzeiten lassen sich bestimmte Meditationspraktiken weiter üben und vertiefen. So können Mönche im Klartraum üben, Objekte zu verwandeln, beispielsweise einen Tisch in einen Blumentopf und umgekehrt. Oder sie können Albträume generieren, um so ihren Ängsten zu begegnen. Gleichzeitig kann das Erlernen des Klarträumens eine wichtige Rolle auf dem Weg zu der spirituellen Erleuchtung spielen

[112] . Nach Ansicht einiger buddhistischer Lehren befinden wir uns eigentlich während unseres ganzen Lebens in einem traumähnlichen Zustand. Nur bemerken wir dies normalerweise nicht. Meditieren im Traum kann uns zeigen, wie traumähnlich unsere Wachheit ist. Im traumlosen Schlaf sind wir dagegen einem erleuchteten Zustand schon recht nahe

[113] .

Sehr erfahrene Yogi können angeblich ihr Bewusstsein auch auf den traumlosen Schlaf ausdehnen und dadurch sehr nahe an einen erleuchteten Zustand gelangen. Diese Übungen werden Schlaf-Yoga genannt. So bildet der Schlaf mit seiner Unterscheidung zwischen traumlosem Schlaf

und Traumschlaf einen wichtigen Zustand für bestimmte buddhistische Philosophien, um Phänomene des Bewusstseins zu beschreiben und zu erkennen [114].

Verbessert Tai-Chi oder Qigong den Schlaf?

Tai-Chi ist eine in China entwickelte Kampfkunst, die heute von vielen Menschen weltweit praktiziert wird [115]. Heutzutage steht allerdings weniger der Kampf als vielmehr Bewegung und Gymnastik im Vordergrund. Die Bewegungen werden dabei meist sehr langsam ausgeübt. Die Kraft wird in einigen wenigen explosionsartigen Bewegungen gebündelt, alle anderen Muskeln sollten in einem entspannten Modus bleiben. Qigong ist eine ebenfalls in China entwickelte Bewegungsform mit einem stärkeren Fokus auf Meditation und Konzentrationsübungen als Tai-Chi. Es baut auf der chinesischen Medizin auf [116]. Durch die Übungen sollen bestimmte Energien (das „Qi“) wieder besser im Körper fließen können, um so Krankheiten zu lindern und die Gesundheit zu stabilisieren. Sowohl Tai-Chi als auch Qigong werden mit einer Verbesserung der allgemeinen Gesundheit und auch der Schlafqualität in Verbindung gebracht [117].

Verschiedene Untersuchungen können dies bestätigen. Bei Patienten mit Schlafstörungen wie der Insomnie wirkten sich Tai-Chi- und Qigong-Programme über mehrere Wochen positiv auf die berichtete Schlafqualität aus [118]. Dabei verbesserte Qigong den Schlaf noch etwas mehr als Tai-Chi. Auch bei Krebspatienten mit Schlafstörungen verbesserten Tai-Chi- oder Qigong-Übungen die subjektive Schlafqualität [119]. Bei Senioren gibt es ebenfalls Hinweise darauf, dass Tai-Chi die subjektive Schlafqualität und Einschlafzeit positiv beeinflussen kann [120]. Objektiv blieb der Schlaf allerdings meist unverändert. Da die kognitive Verhaltenstherapie generell wirksamer ist bei der Insomnie, werden Bewegungsformen wie Tai-Chi nicht als einzige Behandlung, sondern eher als Zusatzprogramm empfohlen [121].

Tai-Chi und Qigong scheinen also durchaus interessante Möglichkeiten zu sein, um die generelle Gesundheit und auch die Schlafqualität positiv zu beeinflussen. Bisher gibt es aber kaum Hinweise, dass auch der objektiv gemessene Schlaf verbessert wird.

 
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