Wie wäre das Leben auf dem Mars?

KELLIE GERARDI

Expertin für kommerzielle Raumfahrt

Normalerweise schlafe ich gerne lange, aber jedes Jahr an meinem Geburtstag öffne ich vor Aufregung die Augen sofort. Auch letztes Jahr: Am Morgen des 16. Februars sprang ich aus dem Bett. Aber keine Vögel sangen draußen, kein Frühstücksduft zog von der Küche hoch, und ich konnte die vertrauten Geräusche meiner Familie im Erdgeschoss nicht hören.

Dann fiel mir ein, dass ich dieses Jahr gar nicht zu Hause war. Ich war nicht einmal auf dem Planeten Erde! Mit sechs anderen Wissenschaftlern aus der ganzen Welt war ich auf dem Mars und erforschte, wie man auf einem anderen Planeten lebt.

Hast du dich schon einmal gefragt, wie das Leben auf einer anderen Welt wäre? Man vergisst leicht, dass die Erde nicht der einzige Planet im Sonnensystem ist. Sieben andere Planeten rasen wie wir selbst um die Sonne. Das ist ein Glück, denn vielleicht müssen wir Menschen irgendwann eine neue Heimat finden. Wir haben unseren Planeten schlecht behandelt, und eines Tages wird die Erde zu heiß werden, um auf ihr zu leben.

Dabei sollten wir nicht nur an den Klimawandel denken, sondern auch an das Schicksal der Dinosaurier! Diese großartigen Lebewesen beherrschten die Erde 165 Millionen Jahre lang, bis ein Asteroid einschlug, ihre Heimat verwüstete und die Dinosaurier ausstarben. Heute haben wir Computerprogramme, die Asteroiden schon in der Ferne aufspüren, doch wenn die menschliche Art auch nur eine Million Jahre überleben will, müssen wir uns ausbreiten und lernen, wie man im Weltraum lebt.

Aber wir können nicht irgendwo leben. Wir brauchen einen Planeten, der weder zu heiß und zu nahe an der Sonne ist wie die Venus oder der Merkur, noch zu kalt und zu weit weg von der Sonne wie der Uranus und der Neptun. Er darf auch nicht aus Gas bestehen wie der Jupiter oder der Saturn. Da bleibt nur der Mars übrig - unser Nachbar, der Rote Planet. Viele Astronauten waren im All, doch bis auf wenige kurze Ausflüge zum Mond waren wir nie weit von der Erde weg. Kein Mensch ist je zum Mars gereist, doch inzwischen bereiten wir diese Reise vor.

Stell dir eine Autofahrt vor, die 200 Tage ohne Pausen dauert. So lange würden Astronauten bis zum Mars brauchen, der 225 Millionen Kilometer oder 1,4 AE (astronomische Einheiten) von uns entfernt ist. So weit weg kann dir niemand mehr Essen oder Wasser nachschicken, sondern du musst so viel wie möglich mitnehmen und lernen, den Rest selbst herzustellen.

Bevor Astronauten auf die Reise gehen, müssen wir die Herausforderungen verstehen, die auf sie warten. Eine Möglichkeit, das zukünftige Leben auf dem Mars zu erforschen, ist es, in einer Marsforschungsstation direkt hier auf der Erde zu leben und zu arbeiten. Diese speziellen Labors oder »Habitate« sind so gebaut, dass sie genauso aussehen und sich so anfühlen wie ein Haus auf dem Mars, mit Küche, Badezimmer, einem »Grünhab«, um Nahrung wachsen zu lassen, einem Labor mit Mikroskopen und anderen wissenschaftlichen Instrumenten und winzigen Schlafzimmern für die Besatzung. An meinem 26. Geburtstag war dies genau der Ort, an dem ich aufwachte.

Normalerweise verbringe ich meinen Geburtstag mit Telefonanrufen von Freunden und Umarmungen in der Familie, aber vom Mars aus kann man nicht telefonieren, weil das Signal zu lange zur Erde brauchen würde. Wenn wir mit unserer Familie sprechen wollen, können wir ihnen eine E-Mail über das Internet senden. Allerdings ist die Mail 20 Minuten unterwegs, bis sie ankommt. Das heißt auch, dass wir nicht fernsehen können. Vielmehr speichern wir digitale Kopien unserer Lieblingsbücher, Filme und Fernsehprogramme auf einem kleinen Computer, um sie zu lesen oder anzusehen, wenn wir Langeweile haben.

Es bleibt aber fast nie Zeit für Langeweile. Es gibt jeden Tag viel zu tun, etwa die Ausstattung zu testen und zu reinigen, Kartoffeln und andere Nahrung heranzuziehen, für die Besatzung zu kochen, Videos für Schüler und Studenten aufzunehmen und Boden- und Gesteinsproben zu sammeln. Der Mars hat viel weniger Sauerstoff als die Erde, und du brauchst einen Raumanzug, sobald du nach draußen gehst. Wenn du von dem langen Marsch im schweren Raumanzug verschwitzt und klebrig bist, kannst du nicht einmal duschen! Wasser ist eine sehr wertvolle Ressource auf dem Mars und wir müssen möglichst viel sparen. Statt zu duschen, reinigen wir unsere Körper mit Feuchttüchern.

Feuchttücher

Feuchttücher, wie man sie auf der Erde oft für Babys verwendet, sind Tücher, die mit Flüssigkeiten wie Wasser und Alkohol getränkt sind.

Sie enthalten meist auch Substanzen, die verhindern, dass Pilze oder Bakterien auf ihnen wachsen. Man kann sie in der Packung aufbewahren, bis man sie braucht. Zwar enthalten die Feuchttücher der meisten Hersteller immer noch Plastik, aber biologisch abbaubare (planetenfreundliche!) Feuchttücher werden immer beliebter.

Die anderen sechs Besatzungsmitglieder müssen gewusst haben, dass ich an meinem Geburtstag meine Familie vermissen würde, denn vor meinem Zimmer warteten sie schon mit einer handgemachten Geburtstagskarte. Statt »26« stand darauf aber »13,8«, denn so alt wäre ich auf dem Mars, wo die Jahre fast doppelt so lang wie Erdenjahre sind! Sie machten mir auch ein besonderes Frühstück: herzförmige Pfannkuchen! Das Essen kann auf dem Mars sehr langweilig werden. Weil frische Lebensmittel schnell schlecht werden würden, ist fast alles Essbare ein Pulver, das mit Wasser angerührt wird - selbst das Fleisch!

Meine Mars-Lieblingsmahlzeit sind Makkaroni mit Käse.

Ich dankte meinen Mitbewohnern für so eine nette Geburtstagsüberraschung, und mir wurde klar, wie viel Glück ich hatte, hier so gute Freunde zu haben. Mit der übrigen Besatzung gut auszukommen ist sehr wichtig, vor allem, wenn du mit ihnen eine sehr lange Zeit auf engstem Raum verbringen musst!

Nach drei Wochen in einem Marshabitat weiß ich, dass das Leben nicht leicht sein wird für die ersten Astronauten, die wirklich zum Mars reisen. Ich würde meine Freunde und meine Familie vermissen, meine Lieblingsgerichte, warme Duschen und nicht zuletzt das Gefühl, draußen frische Luft ohne Helm zu atmen. Dennoch würde ich gehen wollen, und ich habe das Glück, eine Familie zu haben, die mich dabei unterstützt, nach den Sternen zu greifen. Es wird wohl noch Jahre dauern, aber ich bin sicher, dass wir in unserer Lebenszeit unsere Fußabdrücke auf dem Mars hinterlassen werden. Und ich hoffe auf jeden Fall, dass einige dieser Fußabdrücke von mir stammen!

Aber selbst wenn es nicht meine Abdrücke sein sollten, werde ich mich immer an den außerirdischen Geburtstag erinnern. Vielleicht wirst auch du einen Geburtstag in einem Marshabitat verbringen - oder sogar auf dem fernen Planeten selbst!

 
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