Menschen im Weltraum

»Der Adler ist gelandet«

Das war die Nachricht, die der US-Astronaut Neil Armstrong am 20.

Juli 1969 vom Mond zur Kontrollstation in Houston (Texas, USA) funkte. Der »Adler« (»Eagle«) war das Landemodul, das sich von dem Raumfahrzeug Columbia gelöst hatte, das in einer Umlaufbahn 96,5 Kilometer über der Oberfläche den Mond umkreiste. Während Michael Collins an Bord der Columbia blieb, landete die Mondlandefähre in einem Gebiet, das man Meer der Ruhe nennt. Trotz des Namens »Meer« gibt es aber kein Wasser auf dem Mond, in dem die Eagle mit Spritzern landete! Neil Armstrong und Buzz Aldrin, die beiden Astronauten in der Eagle, waren die ersten Menschen, die den Mond betraten.

Astronaut Armstrong stieg als erster aus der Kapsel und betrat (mit seinem linken Fuß) den Mond. Buzz Aldrin folgte ihm und blickte umher - zum vollkommen schwarzen Himmel, den Einschlagkratern, den Schichten aus Mondstaub - und bemerkte: »Großartige Einsamkeit.« Wie geplant, steckten sie schnell einige Mondsteine und Staub in die Taschen, um Proben zu haben, falls sie in Eile aufbrechen müssten.

Tatsächlich blieben sie fast einen Tag lang auf dem Mond und legten fast einen Kilometer zurück. Diese berühmte Reise von Apollo n ist eine der inspirierendsten Reisen ins Unbekannte, die die Menschheit jemals unternommen hat, und die drei Krater im südlichen Teil des Meeres der Ruhe wurden nach den Astronauten der Mission benannt: Collins, Armstrong und Aldrin.

Spaziergang auf dem Mond

Einschließlich der Astronauten der Apollo-n-Mission haben bisher zwölf Menschen den Mond betreten. Aber jede Mission war dennoch ein gefährliches Unternehmen, wie die Apollo-13-Mission im April 1970 zeigte, als nach einer Explosion an Bord des Servicemoduls nicht nur die Astronauten, sondern auch das Bodenpersonal gewaltige Anstrengungen unternehmen mussten, um das Raumschiff sicher zur Erde zurückzubringen.

Astronauten sind gut ausgebildete Spezialisten mit Kenntnissen in der Luftfahrt, der Luft- und Raumfahrttechnik, Ingenieurswissenschaften und Naturwissenschaften. Eine Raumfahrtmission erfordert Mitarbeiter mit vielfältigen Fähigkeiten. Die Apollo-Missionen beruhten wie alle Missionen davor und danach auf der Arbeit von Zehntausenden Fachkräften, die die komplexe Hardware und Software bauten und betrieben.

Die Apollo-Mission brachte 381 Kilogramm Mondmaterial, etwa Mondgestein, zurück, um dieses auf der Erde zu studieren. Dies brachte neue Erkenntnisse über den Mond und sein Verhältnis zur Erde.

Die letzte Mission zum Mond war Apollo 17. Die Astronauten dieser

Mission landeten am i. Dezember 1972 im Taurus-Littrow-Tal und blieben drei Tage dort. Als sie auf dem Weg zum Mond 29000 Kilometer von der Erde entfernt war, nahm die Apollo-17-Besatzung ein Foto der vollständig aus geleuchteten Erde auf. Das Foto wurde als Blue Marble (»Blaue Murmel«) bekannt und könnte das am weitesten verbreitete Foto aller Zeiten sein. Seither hat sich kein Mensch jemals mehr weit genug von der Erde entfernt, um ein solches Bild aufzunehmen.

Der erste Mensch im Weltraum

Die Astronauten der Apollo-Missionen waren nicht die ersten Menschen, die in den Weltraum geflogen waren. Der sowjetische Kosmonaut Juri Gagarin, der am 12. April 1961 im Wostok-Raumfahrzeug die Erde umkreiste, war der allererste Mensch im Weltraum.

Sechs Wochen nach Gagarins historischer Leistung kündigte der US-Präsident John F. Kennedy an, innerhalb von zehn Jahren einen Menschen auf den Mond zu schicken. Die neu gegründete NASA - die National Aeronautics and Space Administration (»Nationale Luft- und Raumfahrtbehörde«) - machte sich daran, dem russischen bemannten Weltraumprogramm nachzueifern, obwohl die NASA zu der Zeit nur 16 Minuten Raumflugerfahrung hatte. Der Wettlauf zum Weltraum - zuerst den Mond zu erreichen - hatte begonnen!

Mercury, Gemini - und Weltraumspaziergänge

Das Mercury-Projekt, ein US-Programm für Einmannflüge, sollte herausfinden, ob Menschen im Weltraum überleben könnten. 1961 war der Astronaut Alan Shepard der erste US-Amerikaner im Weltraum. Er absolvierte einen 15-minütigen suborbitalen Flug, also einen Flug, bei dem er weder das Schwerefeld der Erde verließ noch eine Umlaufbahn erreichte. Im folgenden Jahr war John Glenn der erste NASA-Astronaut, der die Erde umkreiste.

Darauf folgte das NASA-Projekt Gemini. Gemini war sehr wichtig, weil es Astronauten lehrte, wie man Raumfahrzeuge im Weltraum koppelt. Außerdem konnten bestimmte Einsätze geübt werden, etwa Raumspaziergänge, auch Außenbordeinsätze (oder EVAs für Extra-Vehicular Activities) genannt. Doch der allererste Raumspaziergang wurde 1965 von dem russischen Kosmonauten Alexei Leonow durchgeführt. Die Russen schafften es allerdings nicht als Erste zum Mond, diesen Triumph errangen 1969 die USA.

Die ersten Raumstationen

Nachdem der Wettlauf zum Mond vorüber war, verloren viele Menschen das Interesse an Raumfahrtprogrammen. Doch sowohl die Russen als auch die Amerikaner hatten weiterhin große Pläne. Die Russen arbeiteten an einem supergeheimen Programm namens Almas (»Diamant«). Sie wollten eine bemannte Raumstation auf eine Umlaufbahn um die Erde bringen. Nach einem fehlgeschlagenen ersten Versuch waren die nächsten Versionen, Saljut 3 und Saljut 5 (nach russisch »Gruß, Salut«), erfolgreicher, aber keine von beiden hielt viel länger als ein Jahr.

Die Amerikaner entwickelten ihre eigene Version: Skylab, eine Raumstation in der Umlaufbahn, die 1973 acht Monate lang in Betrieb war. An Bord von Skylab war ein Teleskop, mit dem Astronauten die Sonne beobachten konnten. Sie brachten Aufnahmen der Sonne zurück, darunter Röntgenaufnahmen von Sonneneruptionen und dunklen Sonnenflecken.

Ein Handschlag im Weltraum

Zu dieser Zeit - Mitte der I97oer-Jahre - hatten sich die UdSSR und die USA in den sogenannten Kalten Krieg verkeilt. Die beiden Seiten kämpften nicht direkt miteinander, aber sie hassten und misstrauten sich enorm. Doch im Weltraum begannen die beiden Länder zusammenzuarbeiten. 1975 kam es im Apollo-Sojus-Projekt zum ersten »Handschlag im Weltraum« zwischen den beiden gegnerischen Supermächten. Apollo (das US-Raumschiff) dockte mit Sojus, dem sowjetischen, und der amerikanische Astronaut und der russische Kosmonaut - die sich auf der Erde persönlich nur mit großen

Schwierigkeiten hätten treffen können - schüttelten sich die Hände.

Der Shuttle

Der Spaceshuttle (»Raumfähre«) war ein ganz neuer Raumschifftyp. Im Gegensatz zu den früheren Raumfahrzeugen war er wiederverwendbar und dafür gebaut, wie eine Rakete in den Weltraum zu fliegen und dann wieder zur Erde zurückzugleiten und wie ein Flugzeug auf einer Landebahn zu landen. Der Shuttle konnte außerdem zusätzlich zu den Astronauten auch Ladung transportieren. Der erste US-Shuttle, der in den Weltraum flog, die Columbia, wurde 1981 gestartet. Als letzter Shuttle flog im Juli 2011 die Atlantis.

Der allererste Shuttle war die Enterprise, die für Tests verwendet wurde, aber nicht in den Weltraum fliegen konnte.

Die Internationale Raumstation

1986 starteten die Russen die Raumstation Mir, was »Welt« oder »Friede« bedeutet.

Mir war die erste komplexe, große Raumstation in einer Erdumlaufbahn. Sie wurde über zehn Jahre hinweg im Weltraum gebaut und als »Weltraumlaboratorium« für Experimente in einer fast schwerelosen Umgebung geplant. Mir hatte etwa die Größe eines Doppeldeckerbuses und beherbergte drei bis sechs Astronauten gleichzeitig.

Die Internationale Raumstation (ISS) wurde ab 1998 im Weltraum erbaut. Die ISS, die 90 Minuten für eine Erdumrundung benötigt, ist ein Symbol der internationalen Zusammenarbeit: Wissenschaftler und Astronauten aus vielen Ländern halten sich jeweils für eine bestimmte

Zeitspanne in ihr auf, forschen dort und sorgen dafür, dass die Station funktionstüchtig bleibt. Die ISS wurde durch Spaceshuttles der NASA, Sojus-Raumschiffe aus Russland und dem Automated Transfer Vehicle (ATV) der Europäischen Weltraumagentur (ESA) versorgt. Heute fliegen nur noch russische und europäische Raketen dorthin. Die Besatzung hat auch ein ständig stationiertes Fluchtfahrzeug, falls sie in einer Notfallsituation die Station verlassen muss.

 
Quelle
< Zurück   INHALT   Quelle   Weiter >