Roboterethik

Dr. KATE DARLING

Forscherin, Massachusetts-Institut für Technologie

1st es in Ordnung, gemein zu einem Roboter zu sein?

Wir wissen alle, dass Roboter nur Maschinen sind, die dafür programmiert sind, bestimmte Dinge zu tun. Du kannst ihre Gefühle nicht verletzen und sie fühlen keinen Schmerz wie Menschen oder Tiere. Wenn dir verbale oder körperliche Gewalt gegen Roboter dennoch falsch erscheint, bist du nicht verrückt!

Es gibt ein interessantes Phänomen der menschlichen Psychologie, das man Anthropomorphismus nennt. Es bedeutet, dass wir menschliche Qualitäten und Emotionen auf nicht menschliche Dinge projizieren. Wenn du schon einmal gedacht hast, dass ein ausgestopftes Spielzeugtier traurig aussieht, weil es unter das Bett geworfen wurde, oder dass ein Hund dich glücklich anlächelt, hast du Anthropomorphismus erlebt. Hunde haben zwar sicher Emotionen, aber diese sind schwerer zu lesen, als die meisten Menschen glauben. Manchmal sehen wir bestimmte Anzeichen bei Tieren oder Gegenständen und stellen uns vor, dass sie dasselbe fühlen, wie es ein Mensch tun würde. Auch wenn wir mit dem, was wir uns vorstellen, falschliegen, ist das etwas ziemlich Natürliches: Evolutionär ist dies die Art, wie wir versuchen, andere Wesen und Dinge zu verstehen und mit ihnen in Beziehung zu treten.

Tatsächlich anthropomorphisieren wir Roboter ziemlich oft. Roboter kombinieren zwei Faktoren, auf die uns die Evolution zu reagieren gelehrt hat: Körperlichkeit und Bewegung. Wir sind sehr körperliche Wesen, und unsere Gehirne sind fest darauf verdrahtet, Leben in bestimmten Bewegungen zu sehen. Wenn wir einen Roboter sehen, der sich von selbst bewegt, dann denkt ein Teil unseres Gehirns sofort, dass der Roboter dies absichtlich tut. Daher stellen wir uns schnell vor, der Roboter habe Ziele und Emotionen. Deshalb fühlen die meisten Menschen Mitleid mit einem Roboter, der irgendwo stecken bleibt, auch wenn dem Roboter das in Wirklichkeit völlig egal ist!

Einige Roboter wurden speziell so gestaltet, um diese Instinkte anzusprechen. Hast du »Krieg der Sterne« gesehen? Wir können echte Roboter bauen, die - ähnlich wie R2-D2 und die anderen Roboter -Geräusche von sich geben und Bewegungen vollführen, die wir automatisch mit Lebewesen assoziieren. Viele Kinder und Erwachsene spielen gerne mit solchen Robotern, weil man sich leicht vorstellen kann, dass sie lebendig sind. Und diese Vorstellung kann auch Menschen helfen, wenn es um Gesundheit und Bildung geht. Zum Beispiel können Robotertiere als Streicheltiere für einsame oder kranke Menschen dienen, die gegen echte Tiere allergisch sind. Lehrer können Roboter als freundliche und unterhaltsame Assistenten nutzen, damit das Lernen mehr Freude macht. Einige Roboter sind bereits in der Lage, Menschen zu erinnern, ihre Medizin zu nehmen, sie zu trösten oder sie zu motivieren, neue Sprachen zu lernen. Und diese Roboter sind nützlich, weil Menschen sie wie Lebewesen und nicht wie Geräte behandeln. Es macht mehr Spaß, mit einem Roboter zu sprechen als mit einem Toaster oder einem Computer!

Ist dein Roboter ein Spion?

Vielleicht wirst auch du bald einen Roboter als Haushaltshilfe zu Hause haben. Aber bevor du deinem Roboter alle deine Geheimnisse verrätst, solltest du Folgendes bedenken: Es ist wichtig, ein wenig darüber zu wissen, wie der Roboter funktioniert, welchen Zweck er hat und welche Daten er über dich sammelt. Zeichnet der Roboter zum Beispiel auf, was du sagst? Wenn du ihm etwas Persönliches sagst, kann jemand anders an die Information gelangen? Die meisten Unternehmen, die Roboter verkaufen, wollen vermutlich nur, dass du einen coolen Roboter hast, aber manche wollen auch deine Daten sammeln, um sie an andere große Unternehmen zu verkaufen. Oder sie haben irgendeine andere Idee, wie sie mit dem Roboter noch mehr Geld verdienen können. Schließlich sind Roboter Maschinen, die das tun, was ihre Erfinder von ihnen wollen. Das ist nicht immer schlecht. Aber es ist dennoch wichtig, einen Moment darüber nachzudenken: Wer hat diesen Roboter gebaut und wozu?

In Zukunft wird es Roboter für viele verschiedene Aufgaben geben. Einige werden darauf programmiert, so zu tun, als hätten sie Gefühle. Und das bringt uns zu der Frage zurück: Ist es in Ordnung, gemein zu Robotern zu sein? Wenn Roboter keine echten Gefühle haben, ist es weniger schlimm, gemein zu ihnen zu sein, als wenn du gemein zu Menschen oder Tieren wärst. Aber wenn du zu Robotern nett bist, bist du nicht dumm. Vielmehr könnte es bedeuten, dass du sehr empathisch und mitfühlend bist. Wissenschaftler wie ich haben erforscht, inwiefern wir Roboter so behandeln, als seien sie lebendig. Eine unserer Fragen war, ob wir etwas über einen Menschen erfahren, wenn wir sehen, wie er sich Robotern gegenüber verhält. Inzwischen glauben wir, dass Menschen, die gegenüber Robotern Mitgefühl haben, auch sehr viel Mitgefühl für andere Menschen haben. Bevor du also zu einem Roboter gemein bist, denk über Folgendes nach: Wenn du eine gütige und fürsorgliche Person bist, ist das wohl für den Roboter unwichtig, aber es ist gewiss für dich und für andere Menschen wichtig!

 
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