Die Zukunft der Politik … bist du!

ANDYTAYLOR

Politischer und juristischer Berater, Mitglied der britischen Royal Society of Arts

In der Politik geht es um Macht. Zwar wollen einige Menschen Macht, weil sie herrisch sind, den Klang ihrer eigenen Stimme lieben oder glauben, damit andere zu beeindrucken. Aber du findest solche Leute auch in anderen Bereichen. Das Wichtige ist, dass die meisten Menschen in der Politik ihre Macht dazu nutzen wollen, etwas Gutes zu tun, anderen Menschen zu helfen und ihre Nachbarschaft, ihr Land oder die Welt zu verbessern. Die Macht eines ganzen Landes dazu zu nutzen, um deine Ideen in die Praxis umzusetzen, ist eine der besten Möglichkeiten, große Veränderungen zu erreichen. Du kannst zum Beispiel versuchen, etwas gegen den Klimawandel zu unternehmen, oder aufregende neue Technologien einführen. Aber um erfolgreich zu sein, musst du nicht nur recht haben, sondern auch andere Menschen von deinen Vorstellungen überzeugen.

Politikern zuhören

Mit der Macht, die Wähler ihnen geben, können Politiker Dinge tun, die andere Leute oder Organisationen nicht können. Sie können Gesetze verabschieden, und sie können Steuern festlegen, um ihre Ideen zu finanzieren. Das setzt voraus, dass Politiker viele verschiedene

Meinungen bedenken und beurteilen. Sie versuchen herauszufinden, welche Ideen am wahrscheinlichsten Erfolg haben könnten. Deshalb sind Debatten so ein wichtiger Teil der Politik. Engagierte Diskussionen sind ein Zeichen einer gesunden Demokratie - wenn man debattiert, was für das Land am besten ist, und sich nicht nur beschimpft!

Viele befürchten, dass Politiker nicht sagen, was sie meinen. Für Politiker ist es schwer, es zuzugeben, wenn sie Fehler machen oder etwas nicht wissen. Dabei sind sie Menschen wie wir alle. Sie gestehen ungern ein, dass sie nicht perfekt sind, weil so viele Journalisten und politische Gegner jeden Schritt beobachten und nur auf Ausrutscher warten.

Daher machen manche Politiker den Fehler, immer alles als perfekt darzustellen. Manche drücken sich auch vor Antworten auf einfache Fragen und wollen keine Verantwortung für ihre Entscheidungen übernehmen. Einige versuchen, von eigenen Fehlern abzulenken, indem sie laut über ihre Gegner herziehen, und manche stellen ihre eigene Meinung als Tatsachen dar, die man nicht hinterfragen kann. Wenn du politische Auseinandersetzungen verfolgst, kannst du eine Menge lernen. Diejenigen Politiker, die ihre Ansichten am offensten und am ehrlichsten kundtun, sehen am Ende meist besser aus als diejenigen, die Fragen ausweichen.

Deinen eigenen Standpunkt testen

Ein guter Anfang ist es, wenn du liest oder hörst, was ein Politiker über ein Thema, das dich interessiert, äußert. Es könnte dabei um etwas gehen, das in diesem Buch vorkommt, aber genauso gut auch um ein anderes Thema, zum Beispiel um den Schutz der vom Aussterben bedrohten Tiger oder um den Kampf gegen die Verschmutzung von

Stränden. Du kannst unterschiedliche Nachrichtensendungen im Fernsehen anschauen, verschiedene Nachrichtenportale im Internet nutzen oder eine Auswahl unterschiedlicher Zeitungen lesen. Ergänzend dazu könntest du die Debatten in den sozialen Medien verfolgen.

Denk darüber nach, welchen Argumenten du zustimmst und welche du ablehnst. Finde andere Leute, die über das gleiche Thema sprechen, und bilde dir selbst eine Meinung. Stimmst du zu oder hast du eine andere Meinung? Es kann auch Spaß machen, Leute zu finden, mit denen du dich richtig streiten kannst. Versuche zu erkennen, wenn ein Politiker keine ehrliche Antwort gibt, wenn er seine Antwort absichtlich kompliziert macht oder wenn er etwas als absolute Tatsache darstellt, was in Wahrheit nur seine eigene Meinung ist.

In der Mathematik gibt es immer nur eine richtige Lösung. In der Physik weißt du, dass ein Apfel, den du in die Luft wirfst, wieder zur Erde fallen wird. In der Politik aber gibt es kein schlichtes Richtig oder Falsch. Es geht vielmehr darum, dass du dir dein eigenes Urteil bildest und dann für deinen Standpunkt argumentierst, um andere zu überzeugen. Denk aber auch daran, dass du selbst deine Meinung ändern kannst, wenn du mehr über ein Thema lernst.

Wie du die Welt ändern kannst

Eine eigene Meinung zu haben, ist gut, aber wenn du etwas verändern willst, genügt das nicht. Wenn du etwas Wichtiges verändern willst, dann musst du herausfinden, wer die Macht hat, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Du möchtest vielleicht Plastiktüten verbieten - nun, wer ist dafür zuständig, neue Gesetze zu machen? Oder du willst einen neuen Sportplatz in deiner Nachbarschaft - wer ist dafür zuständig, den zu planen und dafür zu bezahlen?

Denk daran, dass Politiker nicht nur deine Wünsche zu berücksichtigen haben - viele verschiedene Leute kommen mit Problemen und Ideen zu ihnen. Die Zeit und die Finanzen, die die Politiker zur Verfügung haben, sind begrenzt. Das macht es für sie schwieriger, die richtige Entscheidung zu treffen.

Verschaff dir Gehör!

So wie Politiker Unterstützung brauchen, um gewählt zu werden, musst auch du zeigen, dass deine Ideen funktionieren können und Zustimmung bekommen. Du könntest einer Organisation beitreten, die bereits an den Themen arbeitet, die dich begeistern. Du könntest eine Petition starten - eine Liste, die von all den Leuten unterschrieben wird, die deine Idee unterstützen, und die dann einem Politiker oder anderem Entscheidungsträger vorgelegt wird, der etwas für das Ziel der Petition tun kann. Du könntest an deine Lokalzeitung schreiben. Das Wichtigste ist, Leute und Organisationen zu finden, die an die gleichen Dinge glauben wie du und die das gleiche Ziel erreichen wollen.

In der Politik sind es oft kleine Gruppen von Leuten, die entscheiden, was sie für das Beste halten. Doch mir scheint das Konzept des Pluralismus am vielversprechendsten, um die Demokratie zu stärken und Positives für die Zukunft zu erreichen. Pluralismus bedeutet, viele verschiedene Menschen in politische Entscheidungen einzubinden, verschiedenen Standpunkten zuzuhören und alle zu ermutigen, ein aktives Interesse an den Entscheidungen zu entwickeln, die über ihren Wohnort - die Stadt, das Land, den Planeten - getroffen werden.

Der erste Schritt zum Pluralismus ist es, dass sich möglichst viele Menschen beteiligen. Dazu gehörst auch du. Du könntest zuerst die Politik aktiv verfolgen und deinen eigenen Standpunkt entwickeln. Wenn du alt genug bist, wirst du die wichtige Verantwortung haben, an Wahlen teilzunehmen und so die Regierung mitzubestimmen. Vielleicht wirst du sogar zum Aktivisten für eine Sache, die dir am Herzen liegt - und vielleicht wirst du selbst eines Tages als Politikerin oder Politiker gewählt werden und selbst große Entscheidungen treffen.

Wie auch immer du dich beteiligst, du hast dasselbe Recht auf eine Meinung, die gehört wird, wie jeder andere.

 
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