Was war das Sonderkommando 1005?

Die Ermordung der Juden entwickelte sich in Etappen von den Massenerschießungen in den besetzten sowjetischen Gebieten durch die Einsatzgruppen und Polizeibataillone bis hin zum organisierten systematischen Mord in den Vernichtungslagern, in die man die Opfer aus dem gesamten deutsch besetzten Europa mit Zügen brachte. Die Opfer der Massenerschießungen wie anfangs auch die in den Gaskammern in Lagern wie Treblinka oder Auschwitz-Birkenau Ermordeten verscharrten die Täter in Massengräbern. Ab 1942 gingen sie schrittweise dazu über, die Gräber wieder zu öffnen, die Leichen und ihre Überreste zu verbrennen und ihre Spuren vollständig zu beseitigen. Da sie bis dahin bereits Millionen Menschen ermordet hatten und dies an hunderten Orten auch jenseits einiger weniger Mordzentren geschehen war, war das Unterfangen von Beginn an zum Scheitern verurteilt.

Seit Juni 1942 widmete sich dieser Aufgabe das sogenannte Sonderkommando 1005 unter der Leitung von SS-Standartenführer Paul Blobel. Blobel hatte als Kommandeur des Sonderkommandos 4a innerhalb der Einsatzgruppe C selbst maßgeblich am Massenmord mitgewirkt, unter anderem befehligte er die Ermordung der Kiewer Juden in der Schlucht von Babi Jar, wo innerhalb von zwei Tagen 33 771 Menschen erschossen wurden.

Blobel und seine Männer experimentierten, bis sie praktikable Wege fanden, möglichst viele Leichname innerhalb kurzer Zeit zu verbrennen. Sie errichteten Roste, zwischen die sie jeweils eine Lage Leichen aufschichteten. Mit Brandbeschleunigern entfachten sie ein Feuer. Im Anschluss daran mussten die Knochenreste mit Hilfe unterschiedlich feiner Knochenmühlen zermahlen werden. Die Asche wurde in der Gegend verstreut oder in Gewässer gekippt.

Blobels Einheit war auf mehrere Kommandos verteilt, die an verschiedenen Orten parallel arbeiteten. Die SS zwang auch hier jüdische Häftlinge dazu, die meisten Arbeiten zu verrichten. Zu ihnen gehörte Leon Weliczker, der mit gerade 18 Jahren Mitte Juni 1943 in eines dieser Kommandos kam und die Asche der Verbrannten auf der Suche nach Wertsachen durchsieben musste. 1963 veröffentlichte er als Leon W. Wells sein Buch «Ein Sohn Hiobs», in dem er von seinen Erfahrungen Zeugnis ablegt.

 
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