Zur Bedeutung der Kategorie Geschlecht in der religiösen Auseinandersetzung der drei Biographieträgerinnen

Die drei Protagonistinnen präsentieren sich im Hinblick auf die Auseinandersetzung mit geschlechtsspezifischen Zugängen und Bedeutungen für sie heterogen. Die Auseinandersetzung mit dem eigenen Geschlecht und deren Einbindung in den gesellschaftlichen Kontext tritt in den drei Einzelfallportraits – soweit sie auftritt – zunächst unabhängig von der religiösen Ebene auf.

Für Anna Paul ist die spirituelle Suche verknüpft mit der Suche nach weiblichen Vorbildern, mit der Suche nach einer für sie adäquaten weiblichen Identität. Die Suche hat sich für sie aus der Perspektive der Erzählzeit auch erfüllt.

Almut Zenk sieht sich im Rahmen ihres gesellschaftspolitischen Engagements mit der Frauenbewegung konfrontiert. Sie hat zunächst den Eindruck, dass sie persönlich von der Thematik nicht betroffen sei, erkennt dann aber, dass sie sich irrt. Als sie im weiteren Verlauf ihres Lebens mit dem Buddhismus in Berührung kommt, entwickelt sie kein weiteres Interesse an geschlechtsspezifischen Themen. Für sie gibt es in der Erzählzeit zwar einen kritischen Blick auf Mann-Frau Themen, diese sind jedoch inhaltlich mit den früheren Zeiten, also ihrer Phase des gesellschaftspolitischen Engagements verbunden und haben sich nicht weiter entwickelt.

Für Katharina Wolf wiederum ist die Geschlechterfrage nicht wichtig. Es gibt eine Stelle, in der sie erwähnt, dass sie immer wieder mit älteren Männern in Kontakt kommt, die für sie eine Art Lehrerrolle einnehmen. Weiter geht ihre Reflexion jedoch nicht.

Gemeinsam scheint bei allen drei Protagonistinnen, dass ihr spiritueller Weg sie darin unterstützt, sich zunehmend in Richtung Selbstbewusstsein und Unabhängigkeit zu bewegen und ein Leben zu führen, dass für hiesige Verhältnisse frei ist, immer wieder unorthodoxe Entscheidungen zulässt, sich wenig an ‚Mainstream-Biographien' orientiert, sondern dazu anleitet, nach innen zu schauen und den eigenen Bedürfnissen Raum zu geben und die Kraft, diese zu verwirklichen. Insofern ist es durchaus ein emanzipatorischer Weg, den die Biographieträgerinnen beschreiben.

 
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