Stimmt es, dass bei der Mafia die Ehe immer von der Familie arrangiert wird?

Mafiosi heiraten fast immer jemanden aus ihrer eigenen Familie oder einen engen Verwandten anderer Mafiosi. Außenstehende werden nicht gern aufgenommen. Es gibt Eheschließungen zwischen den Inzerillo und den Spatola, den Gambino und den Di Maggio; zwischen den Badalamenti aus Cinisi, den Rimi aus Alcamo und den Familien Plaja und Buccellato aus Castellammare del Golfo. Auch innerhalb des Clans der Corleoneser wurde geheiratet: Salvatore Riina ehelichte Ninetta Bagarella, die Schwester von Calogero und Leoluca Bagarella, die zu unterschiedlichen Zeiten eng an seiner Seite standen. Riina hatte Ninettas älterem Bruder Calogero Bagarella seine Schwester Arcangela zur Ehe versprochen. Nach Calogero Bagarellas Tod bei der Schießerei auf dem Viale Lazio in Palermo im Dezember 1969 suchte sich Arcangela Riina keinen anderen Mann.

Brüder tun sich mit Schwestern zusammen. Dabei geht es nicht um Liebe, sondern um die Vermischung des Bluts, um einen lebenslangen Pakt, ein ewiges Bündnis. Dies erklärt auch die Reaktion einiger Mafiafrauen auf den Entschluss ihrer Männer, mit der Justiz zusammenzuarbeiten.

Giusy Spadaro und Angela Marino, die mit den reuigen Brüdern Pasquale und Emanuele Di Filippo verheiratet waren, wandten sich an Journalisten, um ihnen mitzuteilen: »Wir sind nicht die Frauen, sondern die ehemaligen Frauen dieser Dreckskerle. Für uns sind sie gestorben. Unseren Kindern haben wir gesagt, dass sie keinen Vater mehr haben, dass sie ihn verleugnen und für immer aus ihrem Gedächtnis streichen müssen.« Doch nach ein paar Jahren kehrten die beiden zu ihren Männern zurück, die im Rahmen des Zeugenschutzprogramms irgendwo versteckt lebten. Die Mutter der beiden Brüder sagt heute noch: »Diese zwei Rindviecher habe nicht ich in die Welt gesetzt.«

Die Frauen spielen eine schillernde, schwer zu fassende Rolle innerhalb der Mafia. Einige schmuggeln für ihre Männer Botschaften aus dem Gefängnis heraus, andere verstecken Waffen oder verbergen untergetauchte Mafiosi, andere fungieren als Drogenkuriere oder betreiben Geldwäsche. Es gibt aber auch welche, die nicht mehr in der Welt der Mafia leben wollen und ihre Männer zum Widerstand drängen.

 
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