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3.1. Begriffsklärung und verwandte Konzepte

Der Begriff der kognitiven Aktivierung wurde von der Arbeitsgruppe um Baumert und Klieme im Rahmen der TIMS-Studie in die Diskussion um Unterrichtsqualität eingebracht und zunächst auf den Mathematikunterricht bezogen (Baumert et al., 2004; Klieme et al, 2001). Lipowsky (2009) umschreibt kognitive Aktivierung als die Anregung „zum vertieften Nachdenken und zu einer elaborierten Auseinandersetzung mit dem Unterrichtsgegenstand“ (S. 93). Ziel eines kognitiv anregenden Unterrichts ist der Aufbau von konzeptuellem Verständnis und anwendbarem Wissen (z. B. Kunter et al., 2005). Nach Leuders und Holzäpfel (2011) werden Lerngelegenheiten als aktivierend bezeichnet, wenn „alle Lernenden zur aktiven Auseinandersetzung mit den Lerninhalten auf einem für sie angemessenen Niveau angeregt werden. […] „Als kognitiv aktivierende Lerngelegenheiten werden vor allem solche angenommen, in denen

Ÿ die (unterschiedlichen) kognitiven Voraussetzungen der Lernenden berücksichtigt werden,

Ÿ die Lernenden (nach ihren jeweiligen Möglichkeiten) zu anspruchsvollen und auf das Kompetenzziel fokussierenden kognitiven Tätigkeiten angeregt werden und

Ÿ in denen die Lernzeit hinsichtlich der zu fördernden Kompetenzfacette umfassend genutzt wird.“ (S. 213)

Beim Unterrichtsqualitätsmerkmal kognitive Aktivierung wird meist davon ausgegangen, dass es stärker von fachdidaktischen und denkpsychologischen Erkenntnissen abhängig ist als beispielsweise das Classroom Management oder das Unterrichtsklima (z. B. Klieme & Rakoczy, 2008; Lipowsky, 2007a, b; vgl. auch 2.4). Die Rolle der Lehrkraft in einem kognitiv aktivierenden Unterricht besteht daher darin, „als Vertreter eines Fachs und ‚Instrukteur' die Lernumgebung so (zu) gestalten, dass den Schülern verständnisvolles Lernen und eine aktive kognitive Auseinandersetzung mit dem Lerngegenstand ermöglicht wird“ (Klieme et al., 2001, S. 52).

 
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