Haben Fernsehserien wie La Piovra ( Allein gegen die Mafia ) mehr der Mafia oder mehr dem Ansehen Italiens geschadet?

Wenn im Fernsehen oder im Kino Mafiafilme gezeigt weiden, liegen in Italien bei einigen Leuten die Nerven blank. Ihre Sorge gilt mehr dem »guten Ruf« Italiens als dem, was den Italienern durch ihre Mafia angetan wird. Die Heuchelei ist ungeheuerlich. Jeder Roman und jeder Film dieses Genres löst bei diesen Leuten einen konditionierten Reflex aus.

Alles begann mit La Piovra. 1984 drehte der Regisseur Damiano Damiani die erste Staffel der Serie mit einem brillanten Michele Placido als Kommissar Corrado Cattani. La Piovra brachte erstmals die mafiosen Machenschaften auf die Fernsehschirme: Finanzdelikte, blutige Morde, Geld. Eine fiktive Handlung, die jedoch der Realität sehr nahe kam und die Italiener in ihren Bann zog. Die Serie erreichte durchschnittlich fünfzehn, manche Folgen sogar siebzehn Millionen Zuschauer. Die Serie wurde in achtzig weiteren Ländern ausgestrahlt.

2001 kam die zehnte Staffel heraus. Jahr für Jahr brach der Streit jedes Mal von neuem los. Einige lehnten die Fernsehserie als pädagogisch unklug und politisch tendenziös ab. Bevor Piovra 10 über die Bildschirme flimmerte, erklärte der Schauspieler Remo Girone (in der Serie spielte er den Bankier Tano Cariddi den »Schrecklichen«, eine Marionette der Cosa Nostra): »Diese Piovra hebt die großen Verdienste der Richter und Staatsanwälte im Kampf gegen die Mafia hervor und zeigt, wie ungerecht die Anfeindungen und Aggressionen von Politikern, Fernsehkanälen und Zeitungen sind. Nach Freisprüchen in einigen wichtigen Prozessen gerieten die Richter und Staatsanwälte unter Beschuss. La Piovra 10 lässt ihnen Gerechtigkeit widerfahren.« Nach dieser Ankündigung eskalierte der Konflikt. Die Gefahr war groß, dass Piovra 10 im italienischen Fernsehen nicht ausgestrahlt würde. Italien stand mitten im Wahlkampf, und es hieß, der Film werde die Wähler manipulieren; es sei daher besser, das Thema gar nicht erst anzusprechen. Für viele war das Problem nicht die Mafia an sich, sondern ihre Sichtbarkeit aufgrund ihrer Beziehungen zur Politik, zur Wirtschaft und zu korrupten

Teilen der Staatsmacht.

Fernsehserien wie La Piovra haben ein negatives Bild unseres Landes im Ausland vermittelt. Hoffen wir, dass dies nie wieder geschieht.

Silvio Berlusconi, 1994

Wir haben die schlechte Angewohnheit, Filme über die Mafia zu machen, die dieses negative Bild unseres Landes in der ganzen Welt verbreiten. Ich hoffe, dass diese Mode jetzt vorbei ist.

Silvio Berlusconi, 2010

 
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