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3.1.1. Verschiedene Konzepte von Aktivität

Von mehreren Autoren wird betont, dass ein kognitiv aktivierender Unterricht nicht mit einem bestimmten Instruktionsansatz oder spezifischen Methoden einhergeht (z. B. Drollinger-Vetter, 2011; Hiebert & Grouws, 2007; Klieme et al., 2006; Renkl, 2010). Statt sich auf einzelne Unterrichtsmethoden zu konzentrieren, geht es bei der Beurteilung des unterrichtlichen Potenzials zur kognitiven Aktivierung der Lernenden also vielmehr darum, zu prüfen, ob die jeweiligen Lernangebote und spezifischen Aspekte der Lehrer-Schüler-Interaktion die Lernenden lediglich in ihrem Verhalten oder aber tatsächlich kognitiv anzuregen vermögen (Mayer, 2004). Als kognitive Aktivitäten können alle mentalen Prozesse einer Person gelten, die der Aufnahme, Verarbeitung und dem Abruf von Informationen dienen (Ziegelbauer, 2009). Mayer (2004) postuliert daher:

Activity may help promote meaningful learning, but instead of behavioral activity per se (e. g., hands-on activity, discussion, and free exploration), the kind of activity that really promotes meaningful learning is cognitive activity (e. g., selecting, organizing, and integrating knowledge). (S. 17)

Ähnlich weist Helmke (2009) darauf hin, dass das Konzept der Aktivierung unterschiedliche Aspekte umfasst: Neben der kognitiven Aktivierung, die er als „Aktivierung im Sinne der Selbststeuerung des Lernens durch den Einsatz von Lernstrategien und Methoden eigenverantwortlichen Lernens“ (S. 205) definiert, kann auch sozial, körperlich oder durch aktive Teilhabe aktiviert werden. Helmke setzt damit die kognitive Aktivierung mit der Förderung selbstgesteuerten Lernens gleich, bei dem anspruchsvolle Lernstrategien eingesetzt werden und es dadurch zu einer tiefen statt zu einer oberflächlichen Verarbeitung von Informationen kommt (vgl. auch Craik & Lockhart, 1972; Klauer & Leutner, 2007).

Auch Renkl (2009) unterscheidet verschiedene Perspektiven zur Frage, welche Art von Aktivität als lernförderlich betrachtet wird. Während nach der Perspektive des aktiven Tuns davon ausgegangen wird, dass sichtbare, offene Lernaktivitäten und deren möglichst unmittelbare Bekräftigung zum Wissenserwerb beitragen, wird unter der Perspektive der aktiven Informationserarbeitung davon ausgegangen, dass Wissen aktiv im Arbeitsgedächtnis konstruiert werden muss, weshalb erfolgreiches Lernen von einer mental aktiven Verarbeitung abhängt. Als drittes beschreibt er die Perspektive der fokussierten Informationsverarbeitung. Hierbei wird angenommen, dass neben der allgemeinen kognitiven Aktivierung der Schülerinnen und Schüler insbesondere die Lenkung der Aufmerksamkeit auf die zentralen Lerninhalte besondere Relevanz für den Lernprozess besitzt (Renkl, 2010; vgl. auch Renkl, 2009).

 
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