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3.2.4. Das Verhältnis von Instruktion und Konstruktion

Helmke (2009) kritisiert die dichotome Abgrenzung von Instruktion und Konstruktion und beschreibt beide Aspekte eher als Endpunkte eines Kontinuums. So werden instruktive Elemente als unverzichtbare Bestandteile des Unterrichts angesehen (Gudjons, 2007), gerade um schwächere Schülerinnen und Schüler nicht zu überfordern und selbstständiges Lernen zunächst anzubahnen (Einsiedler, 2005). Da eine ausreichende Wissensbasis eine notwendige Voraussetzung für die Konstruktion von Bedeutungen darstellt und davon ausgegangen wird, dass für deren Erwerb nicht gänzlich auf Anleitung und Unterstützung verzichtet werden kann (Resnick & Hall, 1998), sprechen Reinmann-Rothmeier und Mandl (2001) hier auch von einem wissensbasierten Konstruktivismus. Sie plädieren für ein integratives bzw. praxisorientiertes Unterrichtskonzept und sehen beispielsweise die Gestaltung einer problemorientierten Lernumgebung als Möglichkeit zur Verbindung konstruktiver und instruktiver Elemente im Unterricht (vgl. auch Mandl, 2010). Die Lehrperson kann hierbei Inhalte präsentieren, erklären, strukturieren und die Lernenden unterstützen sowie beraten, ohne sie aber zu sehr einzuschränken (Mandl, 2010). Dubs (1997) weist dabei auf die Abhängigkeit der Unterrichtsgestaltung von den jeweiligen Zielen, Rahmenbedingungen und Inhalten hin: Wenn wenig Zeit zur Verfügung steht, relativ viel Orientierungswissen benötigt wird und Grundfertigkeiten sowie Grundfähigkeiten eingeübt werden sollen, bieten sich auch traditionelle Unterrichtsformen an. Dies kann auch mit der Cognitive Load Theorie begründet werden, nach der es für erfolgreichen Unterricht bedeutsam ist, die begrenzte Kapazität des Arbeitsgedächtnisses zu berücksichtigen (z. B. Kirschner, 2002).

Besonders schlüssig erscheinen diese Argumente vor dem Hintergrund, dass die Schülerinnen und Schüler im Anfangsunterricht das selbstständige Lernen zunächst schrittweise erlernen müssen und dabei auf Unterstützung angewiesen sind, sodass ein kognitiv aktivierender Grundschulunterricht nicht ausschließlich konstruktivistisch angelegt sein kann.

 
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