Gibt es im Kloster das Burn-Out-Syndrom?

Notker Wolf: Das gibt es durchaus. Je nachdem, welchen Beruf der Einzelne im Kloster ausübt, beispielsweise als Cellerar oder Lehrer, kann es sein, dass er überfordert wird, wenn er der Überlastung nicht rechtzeitig Einhalt gebietet. Es gibt ja gerade für Ordensmenschen das Problem, wie man mit allen modernen Möglichkeiten, die man auch hinter Klostermauem hat, umgehen soll. Ich denke da zum Beispiel an die Nutzung moderner Medien. Es stellt sich manchmal die Frage, wie man da noch sein Ordensideal leben und erhalten kann. Es gibt kaum noch eine wirkliche Klausur, die Leute rufen einen zu jeder Zeit an oder schreiben rund um die Uhr E-mails. Die Kloster mauern sind gläsern geworden. Es gibt Orden, wie die Kartäuser, die sich total abschotten und zurückziehen, das ist eine Möglichkeit. Die Benediktiner waren aber immer in der Gesellschaft auch für die Gesellschaft da. Da fallt es manchmal schwer, sich nicht vereinnahmen zu lassen von dem, was ringsherum passiert.

Wie kann man als Führungskraft im Orden entspannen?

Notker Wolf: Ich kann dies beispielsweise durch die betende Lesung der Heiligen Schrift, durch meine «lectio divina», indem ich die Texte jeden Tag durchmeditiere. Ich nehme mir nach dem Mittagessen, nach meiner kurzen Siesta, erst einmal die Heilige Schrift zur Hand. Abends höre ich Musik. Wichtig ist auch die Freude am gemeinsamen Leben mit den Mitbrüdem. Das ist für mich so, wie wenn man mit der Familie zusammen wäre.

Entstressen kann ich auch im Urlaub, den ich bei Freunden verbringe. Ich gehe sehr- gerne in die Berge oder auch ans Meer, weil ich gerne schwimme. Und gerade dann habe ich mal Zeit, länger zu lesen, beispielsweise das Alte Testament. Ich lese dann auch Unterhaltungslektüre. Aber die Gespräche mit den Freunden sind genauso wichtig. Um beweglich zu bleiben, mache ich in der Früh ein wenig Gymnastik.

 
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