Welche Bedeutung hat Musik im Klosterleben?

Notker Wolf: Musik ist für mich ein Ausdruck des Herzens, wo die Sprache nicht mehl' reicht. Sie ist ein Ausdruck von Stimmungen wie Freude, auch vielleicht mal Trauer. Und es ist eine internationale Sprache, die überall verstanden wird. Wenn ich auf diesen internationalen Versammlungen bin, erwarten die Leute, dass ich an einem Abend auch etwas auf der Querflöte vortrage. Ich übe fast täglich, da man als Musiker ständig in Übung bleiben muss. Ich spiele auch E-Gitarre in einer Rockband, die aus ehemaligen Schülern des Gymnasiums Sankt Ottilien hervorgegangen ist. Hin und wieder treten wir zusammen auf, aber ich habe nicht so viel Zeit dafür. Vor einem großen Publikum zu spielen, macht natürlich sehr viel Freude.

Ist das Ordensgewand für den Abtprimas wichtig?

Notker Wolf: Das Ordensgewand ist meine normale Kleidung. Ich trage es natürlich im Kloster, lege es allerdings dort auch mal ab, wenn es im Sommer zu heiß wird. Bei Reisen trage ich Zivil, weil es einfach praktischer ist, wenn man mit zwei Koffern beispielsweise im Flugzeug unterwegs ist. Das ist ganz normal und auf solchen Reisen auch eine Sicherheitsfrage, da man mit dem Habit auf den engen Treppen auch mal ins Stolpern kommen kann. Ich verzichte nicht deshalb auf Reisen auf das Ordensgewand, weil ich nicht erkannt werden möchte. Die Leute erkennen mich auch ohne Habit. Ich werde überall angesprochen.

Wie kann man als Ordensmann, der durch die Medien bekannt ist, mit Popularität umgehen?

Notker Wolf: Die Leute kommen auf mich zu, und ich freue mich, wenn ich mit Menschen reden kann. Manchmal ist es natürlich belastend, wenn ich im Flugzeug arbeiten möchte und es verwickelt mich jemand während des ganzen Flugs in ein Gespräch. Aber Gespräche sind ja immer auch bereichernd. Über meine Auftritte in den Medien mache ich mir überhaupt keine Gedanken. Die Menschen möchten etwas wissen, und dann sollen sie auch eine Antwort bekommen. Die Kirche gehört den Menschen, sie gehört zur Gesellschaft, dann soll sie auch in den Medien präsent sein.

 
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