< Zurück   INHALT   Weiter >

3.4. Zusammenfassung und Fazit für die vorliegende Arbeit

Im vorliegenden Kapitel wurden die theoretischen Grundlagen und der Forschungsstand zur kognitiven Aktivierung als Basis für die eigene empirische Analyse der videografierten Unterrichtsstunden skizziert. Dazu wurde zunächst auf die Heterogenität des Konstrukts und die damit verwandten Konzepte eingegangen (3.1). Dabei wird deutlich, dass grundlegende Einigkeit darüber besteht, dass ein kognitiv aktivierender Unterricht die Schülerinnen und Schüler herausfordert und zu höherwertigen Denkprozessen anregt. Die einzelnen Studien konzeptualisieren die kognitive Aktivierung im Detail aber sehr unterschiedlich, sodass noch von keinem einheitlichen Verständnis ausgegangen werden kann. Dadurch sind auch die Ergebnisse der Studien nur bedingt miteinander vergleichbar.

Außerdem wurden konstruktivistische Lehr-Lerntheorien als theoretischer Bezug dieses Unterrichtsqualitätsmerkmals dargestellt (3.2), bevor empirische Studien zur Erfassung und Wirksamkeit kognitiver Aktivierung skizziert wurden (3.3). Immer wieder wird herausgestellt, dass es zur Erfassung kognitiver Aktivierung wichtig ist, die Tiefenstruktur des Unterrichts zu berücksichtigen, was meist über hoch inferente Ratings geschieht. Die Studien von beispielsweise Pauli et al. (2008) oder Kleinknecht (2010a, b, c) verdeutlichen aber, dass es auch möglich ist, über niedrig bis mittel inferente Kodierungen zentrale Qualitätsaspekte zu erfassen und dabei gleichzeitig eine genauere Beschreibung des Unterrichts zu erhalten. Wichtig beim Einsatz niedrig und mittel inferenter Kodierungen ist, dass diese dennoch auf einer theoretischen Grundlage fußen und es somit auch ermöglichen, Qualität zu erfassen.

Die meisten Studien zur kognitiven Aktivierung sind im mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich der Sekundarstufe angesiedelt. Viele Merkmale eines kognitiv aktivierenden mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterrichts lassen sich dabei auf den Leseunterricht übertragen. Dennoch muss ein Instrument zur Analyse des Leseunterrichts auch fachspezifische Aspekte berücksichtigen. Daher wird in Kapitel 5 noch einmal spezifisch auf Merkmale guten Leseunterrichts eingegangen. Vorher werden in Kapitel 4 aber noch Merkmale lernförderlicher Übungssituationen als allgemeindidaktische Kriterien thematisiert, da die kognitive Aktivierung im Leseunterricht in der vorliegenden Arbeit speziell für Übungssituationen analysiert wird.

 
< Zurück   INHALT   Weiter >