Wie ist das Verhältnis zu Afrika?

China hat sich traditionell als Anwalt der Entwicklungsländer verstanden. 1955 fand im indonesischen Bandung eine Konferenz statt, an der 23 asiatische und 6 afrikanische Länder teilnahmen. Hier wurde der Begriff der «dritten Welt» geprägt, die sich als blockfrei verstand und von den Einflusssphären der USA und der UdSSR abgrenzte. Die Volksrepublik war das größte Land, das an dieser Konferenz teilnahm. In den Jahren, die auf die Bandung-Konferenz folgten, begann China sich als dritte Macht auf dem afrikanischen Kontinent zu engagieren. Mit mehreren afrikanischen Ländern wurden Freundschaftsverträge abgeschlossen, die den Austausch von Studenten, aber auch chinesische Militärhilfen zum Inhalt hatten.

Dennoch blieb das chinesische Engagement insgesamt für lange Zeit gering. Erst mit dem Beginn des Wirtschaftsaufschwungs um 1990 begann sich dies zu ändern. Chinesische Firmen gingen weniger nach Lateinamerika sondern verstärkt nach Afrika, wo sie einerseits Absatzmärkte für qualitativ weniger hochwertige Produkte fanden und andererseits massiv in die Förderung von Rohstoffen einstiegen. Seit der Jahrtausendwende ist China zu einem wichtigen Akteur auf dem Kontinent herangewachsen. Die afrikanische Reaktion darauf ist zwiespältig: Einerseits sind die Chinesen willkommen, da ihr Engagement in von westlichen Entwicklungsorganisationen als hoffnungslos aufgegebenen Regionen zu einem beträchtlichen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts geführt hat und sie ihren Einsatz nicht an Bedingungen knüpfen, wie dies viele westliche Staaten tun, die als Gegenleistung für humanitäre Hilfen die Anerkennung westlicher

Werte einfordern. Der chinesische Kapitalismus kommunistischer Prägung interessiert sich nämlich für Profit, nicht für Werte, und erzielt damit beachtliche Erfolge. Andererseits wird er dafür kritisiert, dass er zum Verlust traditioneller Lebensweisen führt, dass das Geld, das er bringt, nicht in die Taschen des Volkes, sondern korrupter Eliten fließt, und der Import billiger chinesischer Güter die einheimische Industrie zerstört. Zudem ist vollkommen klar, dass China sich mit seinen Investitionen Rohstofflieferanten sichern möchte. Besonders von westlicher Seite, auf deren Kosten die chinesische Offensive geht, wird Pekings Vorgehen in Afrika oftmals als skrupellose Unterstützung brutaler Diktatoren gebrandmarkt. Bei aller berechtigter Kritik sollte indes nicht übersehen werden, dass der chinesische Erfolg auch eine Konsequenz des Versagens westlicher Entwicklungspolitik ist und man deshalb von China durchaus lernen sollte.

 
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