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6.2.2. Aufgabenstellungen

Bromme, Seeger und Steinbring (1990) verstehen Aufgaben als „Einheiten des zu bearbeitenden Stoffes“ (S. 3). Nach Renkl (1991) ist eine Aufgabe eine öffentliche Leistungsanforderung. Die erwartete Schülerleistung wird dabei in der Aufgabenstellung mit Hilfe von Operatoren beschrieben (z. B. „Nenne“, „Suche“ etc.; Gropengießer, 2006). Jatzwauk (2007) definiert Aufgaben als „Denkund Handlungsaufforderungen“ (S. 12) und unterscheidet dabei drei Formen: Aufgaben zum Unterrichtsmanagement, die nicht inhaltlich sind (z. B. „Geh mal an die Tafel!“) und daher im engeren Sinn nicht als Aufgaben gesehen werden können, Aufgaben im Unterrichtsgespräch, die oft in Frageform gestellt werden und nur eine sehr kurze Bearbeitungszeit haben sowie Aufgaben in Schülerarbeitsphasen, die meist schriftlich fixiert sind. Insbesondere in der psychologisch orientierten Literatur werden Aufgaben oft von Problemen abgegrenzt, wobei bei Aufgaben der Lösungsweg bekannt ist, während er bei Problemlösungen zunächst gefunden werden muss (zsf. Jatzwauk, 2007; Kleinknecht, 2010a). Eine solche Abgrenzung ist für die Analyse des Aufgabeneinsatzes im Unterricht allerdings schwierig, da zu deren Beurteilung das Vorwissensniveau jedes Lernenden bekannt sein müsste (Kleinknecht, 2010a). Lechner (2008) unterscheidet des Weiteren die Aufgabenstellung im engeren Sinn – also die Formulierung und Präsentation der Aufgabe – von der Aufgabenstellung im weiteren Sinn, womit die „Strukturierung der Aufgabe(n) einschließlich des methodischen Kontextes und im weitesten Sinne auch das ‚Erstellen', d. h. die Produktion von Aufgaben“ (S. 73) gemeint sind. Auch Bohl und Kleinknecht (2009) betonen, dass neben der Aufgabe selbst auch deren methodische Einbettung im Unterricht betrachtet werden sollte. In diesem Zusammenhang wird oft auch der Begriff der Aufgabenkultur verwendet, also die Art und Weise „wie Lehrende und Lernende mit Aufgaben im Unterricht umgehen“ (Bohl & Kleinknecht, 2009, S. 331; vgl. auch Batzel, 2010; Hellrung, 2010; Kleinknecht, 2010a; Kleinknecht & Bohl, 2010; Köster & Lütgert, 2004; Leutert, 2005; Stadler, 2009).

 
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