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6.2.2.3 Fazit für die videobasierte Analyse

Für die Unterrichtsforschung ist die allgemeinund oder fachdidaktische Analyse des Potenzials von Aufgaben eine Herausforderung (Blömeke et al., 2006; Bohl & Kleinknecht, 2009). Da Aufgabenstellungen ein Kernelement kognitiv aktivierender Unterrichtsgestaltung darstellen, soll im empirischen Teil der Arbeit jede einzelne Aufgabe, welche die Lehrperson der Klasse oder einzelnen Schülerinnen und Schülern stellt, identifiziert und detailliert beschrieben werden. Im Gegensatz zu einigen der vorgestellten Arbeiten, werden sowohl Aufgaben berücksichtigt, die den Lernenden im öffentlichen Unterricht gestellt werden als auch Aufgaben, welche die Schülerinnen und Schüler in Schülerarbeitsphasen bearbeiten sollen. Schriftlich erteilte Arbeitsaufträge werden bei der Kodierung zwar berücksichtigt, im Vordergrund der in der Arbeit dargelegten Ergebnisse stehen aber die im Unterricht mündlich erteilten Arbeitsaufträge. Aufgaben werden dabei nicht vorab von Problemen abgegrenzt, wie es in einigen Definitionen gemacht wird (zsf. Kleinknecht, 2010a), sondern es werden zunächst alle inhaltlich auf die Leseübung bezogenen Arbeitsaufträge als Aufgaben verstanden, zu deren Bearbeitung die Lehrperson einen, mehrere oder alle Schülerinnen und Schüler verbal, nonverbal oder schriftlich auffordert. Über die weiteren Kodierungen kann dann die Art der Aufgaben genauer charakterisiert werden.

In Anlehnung an Jordan und Kollegen (2006) werden zunächst Hauptund Teilaufgaben voneinander unterschieden. Die Hauptaufgaben werden anschließend weiter kodiert, um Aussagen zu den in Abschnitt 6.2.2.2 genannten Qualitätsaspekten treffen zu können. Neben einer inhaltlichen Bestimmung der Aufgabe wird die Präzision und Verständlichkeit der Aufgabenstellung kodiert, die Funktion der Aufgabe als Lernoder Leistungsaufgabe (vgl. 6.2.1.3.2) wird bestimmt und es wird beobachtet, inwieweit die Aufgabe Differenzierungsmöglichkeiten enthält (vgl. 6.2.1.3.3). Des Weiteren werden die zur Lösung der Aufgabe benötigten Wissensarten, die kognitive Komplexität sowie die Offenheit der Lösung und des Lösungswegs der Aufgabe betrachtet. Eine weiterführende Kategorisierung der Teilaufgaben soll zusätzliche Informationen dazu liefern, inwiefern sich die kognitive Komplexität der Hauptaufgabe im Verlauf der Aufgabenbearbeitung verändert und soll damit Aussagen dazu ermöglichen, inwiefern eine Kleinarbeitung im Unterricht stattfindet (vgl. 6.2.2.2.3).

Zudem wird für Phasen der Aufgabenbearbeitung in Schülerarbeitsphasen bestimmt, inwiefern die Lehrperson das Ziel der Leseaufgabe spezifiziert. Zusätzlich wird die Aufgabengestaltung im Unterricht auch qualitativ beschreiben. Hiermit soll eingeschätzt werden, inwieweit aktivierende Aufgaben gestellt werden, die zum Nachdenken anregen und Lernprozesse bei den Schülerinnen und Schülern anregen. Außerdem wird erfasst, inwiefern das Vorwissen und vorunterrichtliche Vorstellungen exploriert werden und ob die kognitive Selbstständigkeit der Lernenden bei der Aufgabenbearbeitung unterstützt und gefördert wird. Da für eine vertiefte Auseinandersetzung mit den Unterrichtsinhalten eine grundlegende Motivation der Lernenden vorhanden sein sollte, wird schließlich erfasst, inwiefern die Lehrperson versucht, aufgabenbezogene Motivation zu fördern, indem sie die Lernaktivitäten abwechslungsreich und herausfordernd gestaltet.

 
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