Wie lange muss man üben?

«Übung macht den Meister!» So wie Leistungssportler intensiv trainieren, um Medaillen zu erkämpfen, müssen sich Musiker ihren Applaus hart erarbeiten. Das Üben dient der kontinuierlichen Verbesserung eines instrumentalen oder vokalen Vortrags und der Ausprägung musikalischer sowie spieltechnischer Fähigkeiten. Dabei ist die Frage nach einem zeitlichen Richtwert für ein effektives Üben, das mit einer bestimmten Spielleistung korreliert, kaum zu beantworten. Es kommt darauf an, wer, was, wie, mit welchem Ziel und Qualitätsanspruch übt.

Finale furioso.

Abb. 6: Das Finale furioso aus der Bddserie Das Neujahrskonzert von Wilhelm Busch (1832-1908). Der Karikaturenserie ist ein Gedicht von Wilhelm Busch beigegeben: «Zum neuen Jahr begrüßt euch hier/Ein Virtuos auf dem Klavier./Erführ’ euch mit Genuß und Gunst/Durch alle Wunder seiner Kunst.»

Üben ist eine individuelle und persönliche Tätigkeit, deren Dauer und Effizienz vom Alter des Musikers, seiner körperlichen und psychischen Belastbarkeit, Auffassungsgabe, Konzentrationsfähigkeit und vom Instrument abhängig ist. Im Gegensatz zu Streichern oder Pianisten benötigen Bläser beispielsweise zwischen kürzeren Übe-Einheiten ausreichende Pausen zur Entspannung ihrer Atem- und Mundmuskulatur. Oft gehört zum Bild eines Wunderkindes tägliches, stundenlanges Üben. Tatsächlich waren im 19. Jahrhundert für Kinder und Jugendliche, die auf eine Karriere als Berufsmusiker zusteuerten, umfangreiche Übezeiten verbindlich. Da das Üben aber möglichst facettenreich sein sollte, lässt es sich kaum auf eine konkrete Stundenanzahl oder einen Zeitraum begrenzen.

Üben heißt: sich eine gesunde Spielhaltung anzutrainieren, sich ein Musikstück anzueignen, die Partitur zu analysieren und die Noten einzustudieren. Zudem sollte man ein Musikstück auswendig lernen und verschiedene persönliche Interpretationen sowie Spielweisen ausprobieren. Technisch schwierige Passagen müssen wiederholt werden, um sie auf Fehlerlosigkeit und Spielsicherheit zu trainieren. Darüber hinaus ist es wichtig, das Zusammenspiel mit anderen Musikern zu proben und Aufführungssituationen vorzubereiten. Je mehr Repertoire ein Musiker beherrschen muss, desto mehr Zeit verbringt er mit seinem Instrument. Üben ist aber nicht gleich Üben und will auch geübt sein! In der Instrumental- und Vokalausbildung lernen Musikstudenten, die mehrstündige Übezeit optimal einzuteilen und bestimmte Übetechniken sinnvoll einzusetzen. Wer Berufsmusiker werden will, muss täglich üben - ein Leben lang.

 
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