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6.2.4.4 Fazit für die videobasierte Analyse

Da zur Strategieinstruktion im Anfangsunterricht der Grundschule bisher keine Befunde aus aktuellen Beobachtungsstudien vorliegen, soll in der vorliegenden Arbeit analysiert werden, ob eine Anregung zum Einsatz von Lesestrategien stattfindet, welche Arten von Strategien dabei in dieser Altersstufe fokussiert werden und in welcher Form die einzelnen Strategieanregungen erfolgen. In Anlehnung an Eikenbusch (2007) werden dabei diejenigen Lesestrategien fokussiert, die auf eine bessere Verstehensleistung abzielen. Da es sich allerdings um Unterrichtsbeobachtungen im ersten Schuljahr handelt, werden auch Lesetechniken mit einbezogen, die zur Verbesserung der Dekodierfähigkeit beitragen sollen, da das richtige Erlesen von Wörtern die Grundlage für Leseverstehen darstellt (vgl. 5.1.2). Aktivitäten, die allerdings ausschließlich auf die Verbesserung der Vorlesefähigkeit abzielen, werden nicht in die Analyse eingeschlossen. Auch eine explizite Unterscheidung zwischen Lesetechniken und Lesestrategien wird nicht vorgenommen. Insgesamt wird eine Vielzahl möglicher Lestechniken betrachtet, die sich den Bereichen Planung des Lesens, Ressourcenmanagement, Textverständnis, Umgang mit Schwierigkeiten, weiterführende Nutzung der Textinformationen und Selbstkontrolle zuordnen lassen. Eine explizite Unterteilung in kognitive, metakognitive und ressourcenorientierte Strategien wird dabei vorab nicht vorgenommen, da einige der genannten Strategien mehrere Bereiche betreffen, was aber nachträglich stattfinden kann. Die Einteilung orientiert sich eher an Systematiken nach Kruse (2007) oder Badel (2009), die Strategien für unterschiedliche Phasen des Leseprozesses beschreiben. Da die Anregung zum Einsatz von Lesestrategien prinzipiell sowohl in öffentlichen Unterrichtsphasen als auch Schülerarbeitsphasen erfolgen kann, wird beides in de Analysen einbezogen.

Jedes Mal, wenn die Lehrperson zum Einsatz einer der Strategien anregt, wird zudem kodiert, in welcher Form diese Anregung erfolgt, da in Abschnitt 6.2.4.2 gezeigt wurde, dass den Schülerinnen und Schülern Einsatzmöglichkeiten und Nutzen von Strategien möglichst explizit vermittelt werden sollten. Dabei werden direkte Formen der Strategieinstruktion, die darauf abzielen, den Lernenden explizite Informationen über Lesebzw. Verstehensstrategien, deren Nutzen und Funktion oder die Bedingungen ihrer Anwendung zu vermitteln oder den Einsatz der Strategie sogar als Modellperson demonstriert, von indirekten Formen unterschieden. Diese indirekten Formen können im engeren Sinn nicht als Vermittlung oder Instruktion von Strategien gelten, da keine explizite Erklärung bzw. Modellierung der zu erlernenden Lesebzw. Verstehensstrategie erfolgt, sondern nur eine Aufforderung oder Anregung zum Strategieeinsatz. Es ist allerdings nicht unwahrscheinlich, dass die meisten Strategieinstruktionen, wenn sie überhaupt auftreten, eher indirekt erfolgen, da bisherige Studien (vgl. 6.2.4.3) bereits aufzeigen konnten, dass eine direkte Instruktion von Strategien im alltäglichen Unterricht nur selten stattfindet.

 
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