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6.2.6.2 Studien zur Häufigkeit von Feedback im Unterricht

Hattie und Timperley (2007) stellen fest, dass es grundsätzlich schwierig ist, die Häufigkeit des Vorkommens von Feedback im Unterricht zu bestimmen und beschreiben mit Verweis auf eine Studie von Bond, Smith, Baker und Hattie (2000), dass lediglich bekannt ist, dass wirklich aufgabenbezogenes Feedback nur selten im Unterricht vorkommt.

In einer bereits älteren deutschsprachigen Studie beobachteten Paetzold und Lißmann (1982) das verbale und nonverbale Rückmeldeverhalten von insgesamt 44 Lehrkräften der fünften Klasse im Englischund Mathematikunterricht über einen Zeitraum von sechs Monaten in 683 Unterrichtsstunden. Insgesamt zeigen sich in der Häufigkeit verschiedener Arten von Rückmeldungen große Unterschiede zwischen den Lehrpersonen. Pro Stunde waren dabei am häufigsten Zustimmungen zu beobachten (durchschnittlich 35 Mal pro Stunde; 41 % aller Rückmeldungen), gefolgt von keinen Rückmeldungen (22 Mal), Ablehnung (13 Mal) und Lob (8 Mal). Eher selten kommen nonverbale Zustimmung (4 Mal pro Stunde), nonverbale Ablehnung (2 Mal) und Tadel (2 Mal) vor. Die geringe Anzahl nonverbaler Rückmeldungen könnte allerdings darauf zurückzuführen sein, dass zum einen jede Rückmeldung, die neben nonverbalen auch verbale Anteile enthielt, als verbal kodiert wurde. Zum anderen handelt es sich um LiveBeobachtungen, bei denen unauffällige Verhaltensweisen eher übersehen werden, da keine mehrfache Betrachtung möglich ist. Nimmt man alle Kategorien zusammen, so werden insgesamt durchschnittlich 86 Rückmeldungen pro Unterrichtsstunde gegeben. Paetzold und Lißmann (1982) erhalten in ihren Analysen auch das Ergebnis, dass sich das Feedbackverhalten im Englischund Mathematikunterricht unterscheidet, was dafür spricht, dass Ergebnisse aus anderen Schulfächern nicht unbedingt wechselseitig übertragbar sind.

Eine aktuellere Untersuchung von Richert (2005) zur Lehrer-Schüler-Interaktion anhand der Analyse von 22 Unterrichtsstunden verschiedener Fächer der Sekundarstufe ergibt, dass die klassische I-R-E/F-Sequenz aus Initiation, Response und Evaluation/Follow-Up (Mehan, 1979) auch im heutigen Unterricht mit 66 % aller von ihr analysierten Kombinationen am häufigsten auftritt. In ihrer Studie wurden durchschnittlich in Biologiestunden 123 Feedbacks identifiziert, in Mathematik 86 und in nicht-naturwissenschaftlichen Fächern 107 Feedbacks.

Kobarg und Seidel (2007) untersuchten die Umsetzung prozessorientierter Lernbegleitung für die teilnehmenden Klassen der IPN-Videostudie und zeigen dabei die Dominanz einfacher Rückmeldungen (88 %) gegenüber positiv-unterstützenden (7 %) und sachlich konstruktiven Rückmeldungen (5 %). Die soziale Bezugsnorm wird nur sehr selten explizit erwähnt (0.09 %). Leider fehlen Angaben zur absoluten Häufigkeit von Feedback.

 
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