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6.2.6.4 Fazit für die videobasierte Analyse

Aufgrund der hohen Bedeutung von Feedback für den Lernerfolg (vgl. 6.2.6.1) werden die Rückmeldungen der Lehrperson in den beobachteten Unterrichtsstunden detailliert betrachtet. Da die Qualität des Feedbacks stark vom vorhergehenden Schülerverhalten abhängt, weil ein Fehler beispielsweise ein anderes Feedback erfordert als eine richtige Antwort (Richert, 2005), wird die Art des gegebenen Feedbacks in unterschiedlichen Kategorien gefasst, um differenzierte Aussagen zuzulassen (z. B. Wie gehen Lehrpersonen mit bedeutungsgleichen im Vergleich zu bedeutungsverschiedenen Fehlern um?).

Zur grundlegenden Beschreibung der Feedbacks wird zunächst deren Modalität genauer betrachtet, also ob das Feedback verbal oder nonverbal oder in Kombination erfolgt, inwiefern das Feedback öffentlich erteilt wird und ob es eine affektive Tönung aufweist. Wichtig für die weiterführenden Kodierungen ist dann die Kodierung des Bezugs zum Schülerverhalten. Dabei wird zum einen das Timing des Feedbacks näher betrachtet und es wird analysiert, auf welche Art von Schülerverhalten das Feedback folgt, wobei beispielsweise ausbleibende Schülerantworten, richtiges Vorlesen, bedeutungsgleiche Fehler beim Vorlesen, bedeutungsverschiedene Vorlesefehler, falsche Antworten auf Fragen sowie Disziplinstörungen und andere nicht inhaltsbezogene Verhaltensweisen unterschieden werden. Anschließend werden nur noch die inhaltsbezogenen Feedbacks weiter kategorisiert. In Anlehnung an Hattie und Timperley (2007) wird weiterhin erfasst, welchen inhaltlichen Bezug die einzelnen Rückmeldungen aufweisen, ob sie sich also auf allgemeine Merkmale des Lernenden, das Produkt oder den Prozess der Aufgabenbearbeitung oder aber das Arbeitsund Sozialverhalten im Allgemeinen beziehen. Die wichtigsten Kategorien zur Einschätzung des Potenzials der Rückmeldungen zur kognitiven Aktivierung der Schülerinnen und Schüler werden anschließend als informierende Aspekte von Feedback erfasst – folgen also hier dem kognitiven Verständnis der Feedbackfunktionen. Hier soll betrachtet werden, inwiefern die Lehrperson den Schülerbeitrag wiederholt, ob die Schülerantwort bestätigt wird und ob die richtige Lösung genannt wird (Knowledge of Result und Knowledge of Correct Result), inwiefern ein Fixieren des Schülerbeitrags erfolgt und ob die Lehrperson auf die Bedeutung des Schülerbeitrags im weiteren Unterrichtsverlauf hinweist (Later Interesting Result, vgl. Richert, 2005). Außerdem wird analysiert, inwiefern das gegebene Feedback die drei Fragen „Where am I going?“, „How am I going?” und „Where to next?” nach Hattie und Timperley (2007) beantwortet, ob es weitere Erläuterungen oder tutorielle Unterstützung liefert und inwiefern es die Orientierung an einer individuellen oder sozialen Bezugsnorm expliziert. Zuletzt soll untersucht werden, ob das Feedback weitere Lösungsversuche ermöglicht (Answer Until Correct) und inwiefern die Lehrperson dazu gezielte weiterführende Impulse gibt.

Auch übergreifende Aspekte der Qualität von Feedback werden beurteilt. Dabei wird beobachtet, inwiefern die Reaktionen auf Schülerbeiträge spezifisch sind, ob die Lehrperson sich bemüht, die Denkweisen der Lernenden näher zu explorieren, inwieweit auf Erklärung und Begründung insistiert wird, ob die Lehrperson die Rolle eines Mediators einnimmt und ob beim Auftreten von Fehlern sachlich-konstruktive Reaktionen zu beobachten sind.

 
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