Menü
Start
Anmelden / Registrieren
Suche
 
Start arrow Pädagogik arrow Kognitive Aktivierung im Leseunterricht der Grundschule
< Zurück   INHALT   Weiter >

7.3. Zusammenfassung und Fazit für die vorliegende Arbeit

Da das übergeordnete Ziel der Arbeit in der Operationalisierung des Konstrukts der kognitiven Aktivierung für Übungsphasen im Leseunterricht des ersten Schuljahres besteht und da die Gestaltung und Qualität des Unterrichts beschrieben werden sollen, wird auf videografierte Unterrichtsstunden zurückgegriffen. Eine ausschließliche Betrachtung von Schüleroder Lehrerfragebögen würde lediglich eine subjektive Sichtweise von Unterricht erfassen und kommt daher nicht in Frage. Aufgrund der beschriebenen Forschungsbefunde (vgl. 7.1), die zeigen, das insbesondere jüngere Schülerinnen und Schüler vermutlich nicht in der Lage sind, ein komplexes und fachdidaktisch zu konkretisierendes Qualitätsmerkmal wie die kognitive Aktivierung adäquat einzuschätzen, wurden in der PERLE-Studie die Schülerinnen und Schüler während der ersten beiden Schuljahre nicht zur Einschätzung des Unterrichts befragt. Die Lehrpersonen wurden zwar in Fragebögen und Unterrichtstagebüchern nach verschiedenen Aspekten der Unterrichtsgestaltung gefragt, allerdings wurden dazu nicht speziell Merkmale kognitiv aktivierender Unterrichtsgestaltung fokussiert, sodass ein Vergleich der verschiedenen Perspektiven auf den Unterricht im Rahmen der Arbeit nicht möglich ist. Einige der in den Lehrerfragebögen erfasste Konstrukte (z. B. Lernzielorientierung oder Constructivist vs. Transmission View) können aber in weiterführenden Analysen mit den Beobachtungsdaten verglichen werden (vgl. 12.2 ).

Aufgrund der Empfehlungen aus der Literatur (vgl. 7.2.1) wurden die PERLE-Videostudien unter standardisierten Bedingungen erhoben, das heißt einerseits bekamen die Lehrpersonen inhaltliche Vorgaben zu den Inhalten der Unterrichtsstunde und andererseits erfolgte auch die Tonund Bildaufnahme nach festgelegten Richtlinien, um eine möglichst hohe Vergleichbarkeit zu gewährleisten (vgl. hierzu Kapitel 8).

Die Instrumente zur Auswertung der Unterrichtsvideos werden selbst entwickelt, da die kognitive Aktivierung für Übungsphasen im Leseunterricht der Grundschule bisher nicht untersucht wurde, sodass keine Instrumente existieren, die unverändert übernommen werden können. Zum Teil können aber bestehende Instrumente adaptiert werden. Da die Art der Kodierung einen starken Einfluss auf die Aussagekraft der Ergebnisse ausübt, wird im Rahmen der vorliegenden Studie für jedes Merkmal eigens eine Entscheidung getroffen, welche Art der Kodierung (hoch vs. niedrig inferent; Timevs. Event-Sampling) die treffendsten Aussagen zur Beschreibung der Unterrichtsgestaltung und Unterrichtsqualität liefern würde. Viele der in Kapitel 6 abgeleiteten Merkmale kognitiv aktivierender Leseübungen werden niedrig bis mittel inferent operationalisiert, um sowohl den Unterricht präzise beschreiben zu können als auch Aussagen über verschiedene Verhaltensweisen der Lehrpersonen oder Aspekte der LehrerSchüler-Interaktion treffen zu können, von denen aus theoretischer Sicht angenommen werden kann, dass sie bedeutsam für die kognitive Aktivierung der Schülerinnen und Schüler sind (vgl. Kapitel 10). In der vorliegenden Studie werden Time-Sampling-Verfahren für diejenigen Kodierungen verwendet, welche die Sichtstruktur des Unterrichtsverlaufs beschreiben sollen. Wichtig ist dabei die Auswahl einer angemessenen Intervalldauer. Für diejenigen Kategoriensysteme, die im Time-Sampling-Verfahren ausgewertet werden, werden 10-Sekunden-Intervalle gewählt. Diese relativ kurze Intervalldauer ist für die Beobachtenden noch gut zu realisieren und scheint dem im videografierten Grundschulunterricht teilweise schnell wechselnden Unterrichtsgeschehen gerecht zu werden. Das Event-Sampling-Verfahren wird hingegen für die Identifikation aller Lehreraktivitäten (z. B. Lehrerfragen, Feedback) gewählt. Wären hier 10oder auch 5-Sekunden-Intervalle gewählt worden, wären oftmals pro Intervall mehrere Lehreraktivitäten aufgetreten, sodass daraus ein Genauigkeitsverlust resultiert hätte. In Abschnitt 9.3 (Abbildung 6) findet sich eine Übersicht darüber, welche Merkmale auf welche Art erfasst wurden. Eine Kombination der Methoden erscheint dabei als besonders geeignet, um dem Ziel einer präzisen Unterrichtsbeschreibung bei gleichzeitiger Beurteilung der Unterrichtsqualität Folge leisten zu können.

 
Fehler gefunden? Bitte markieren Sie das Wort und drücken Sie die Umschalttaste + Eingabetaste  
< Zurück   INHALT   Weiter >
 
Fachgebiet
Betriebswirtschaft & Management
Erziehungswissenschaft & Sprachen
Geographie
Informatik
Kultur
Lebensmittelwissenschaft & Ernährung
Marketing
Maschinenbau
Medien und Kommunikationswissenschaft
Medizin
Ökonomik
Pädagogik
Philosophie
Politikwissenschaft
Psychologie
Rechtswissenschaft
Sozialwissenschaften
Statistik
Finanzen
Umweltwissenschaften