Wodurch unterscheidet sich Salomo von seinem Vater David?

König David war ein Kriegsherr, sein Sohn und Nachfolger Salomo wird als Friedensfürst geschildert. David war arm, sein Sohn verfügte über unermesslichen Reichtum (1 Könige 3-11). Salomos Palast, der mit Hilfe von Architekten und Bauleuten aus dem Ausland errichtet wurde, steht in Jerusalem; dazu gehört auch ein Tempel, den der König erbauen lässt, prächtig ausschmückt und persönlich einweiht. In den Palast strömen die Abgaben unterworfener Völker, aber auch die Steuern aus den von Salomo eingerichteten Verwaltungsbezirken des eigenen Landes. Die Steuern drücken nicht, so dass jeder im mediterranen Glück «unter dem eigenen Weinstock und unter dem eigenen Feigenbaum» leben kann. Zum Hof gehört ein weitläufiger Harem, in dem 700 Haupt- und 300 Nebenfrauen ihren Platz finden, darunter eine ägyptische Prinzessin. Während vom Kult im Tempel wenig mitgeteilt wird, hören wir umso mehr vom glänzenden Leben in Salomos Palast. Gäste von weither wie die Königin von Saba, eine arabischen Fürstin, bestaunen die Pracht des höfischen Lebens, das sich in Jerusalem entfaltet, und überzeugen sich von der in aller Welt gerühmten Weisheit Salomos. Berühmt ist Salomos Naturkunde in Sprüchen und Liedern, die von Maß und Regel im Reich der Tiere und

Pflanzen handelt, wovon uns leider kein Beispiel geboten wird. Solche Episoden und beiläufige, den Herrscher ehrende Mitteilungen lenken den Leser jedoch von der eigentlichen Leistung der salomonischen Staatskunst ab: der Ernennung von Beamten, die für Religion, Palast, Fronarbeiten, Steuerwesen und Militär zuständig sind und dem Staat Stabilität verleihen.

Soweit die biblische Erzählung. Historisch können wir David und Salomo nur schwer fassen, doch der biblische Bericht erläutert den Vorgang der Staatsbildung in vorzüglicher Weise. Hinter der Betonung der Weisheit Salomos steht eine politische Erfahrung von welthistorischer Bedeutung. Alle Staaten der alten Welt beruhten auf dem Bündnis zweier Gruppen von gegensätzlicher Sinnesart: schriftkundigen Verwaltungsbeamten und waffengewandten Kriegern. Im jungen Staat konnte David nur die kriegerische Sinnesart zur Geltung bringen. Das kann dem Staat nicht gut bekommen. Daher musste sein Sohn den Beamten und damit dem Geistigen und der Weisheit den Vortritt einräumen. Erst beides zusammen, Davids Kriegshandwerk und Salomos Verwaltungskunst, kann dem Staat Festigkeit und Bestand verleihen. Ihren kürzesten Ausdruck finden die beiden Geisteshaltungen in Listen: 37 Kriegshelden Davids stehen 23 Verwaltungsbeamte Salomos gegenüber (2 Samuel 23,8-39; 1 Könige 4,2-19).

 
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