Was hat Markus über Jesus herausgefunden?

Ein früher Christ namens Markus war der erste, der einen zusammenhängenden Bericht über Jesus geschrieben hat. Er folgt dem Muster der antiken Biographie von Staatsmännern und Philosophen: In drei Teilen wird der Protagonist zuerst summarisch vorgestellt, dann folgt der Bericht über sein Wirken in Öffentlichkeit und Freundeskreis; den Abschluss bildet die Geschichte seines Todes. Das Markus-Evangelium hat folgenden Inhalt:

Vorstellung des Protagonisten: Eine rituelle Reinigung bereitet Jesus auf seine Sendung vor. Während Johannes der Täufer das Ritual im Jordan vollzieht, ertönt Gottes Stimme vom Himmel her: «Du bist mein geliebter Sohn»; gleichzeitig wird Jesus mit göttlichem Geist begabt, der ihn fortan zu Wundertaten befähigt. Nach diesem Ereignis zieht sich Jesus vierzig Tage lang in die Wüste zurück. Erst dann tritt er öffentlich auf und verkündet seine Botschaft: «Das Reich Gottes ist nahe; kehrt um zu Gott!»

Wirken in Öffentlichkeit und Freundeskreis: Unter dem Volk wirkt Jesus als Heiler und Lehrer. Vom Fieber heimgesuchte, gelähmte, hautkranke, verstümmelte, taubstumme, blinde, von bösen Geistern besessene Menschen werden durch einfache Gesten wie die Handauflegung geheilt. Die spektakulärsten Wunder sind die Auferweckung eines totgeglaubten Mädchens und die Vermehrung eines kleinen Vorrats an Brot und Fischen, mit dem Hunderte von Menschen gesättigt werden. Das Reich Gottes, so lehrt Jesus, gleiche einem Senfkorn: Es ist das kleinste der Samen, doch wenn es aufgeht, wird die Pflanze größer als alle anderen Gewächse. Als ein junger

Mann fragt, was er tun solle, um ewiges Leben zu gewinnen, lautet Jesu Antwort: «Geh hin und verkaufe alles, was du hast, gib es den Armen; dann schließe dich mir an!» Jesus schart einen Freundeskreis von zwölf Männern um sich, denen er das Geheimnis des Gottesreiches anvertraut - gemeint ist wohl: die Macht, Kranke zu heilen. Drei dieser Männer - Petrus, Jakobus und Johannes - dürfen erleben, wie sich Jesus auf einem Berg in eine Lichtgestalt verwandelt; sie hören Gottes Stimme: «Das ist mein geliebter Sohn; auf ihn sollt ihr hören.» Im Kreis seiner Jünger kündigt Jesus seine Passion an: Er werde von Hohenpriestern und Schriftgelehrten angefeindet und getötet werden, aber nach drei Tagen wieder auferstehen. Es werde zu schlimmen Verfolgungen seiner Anhänger kommen, doch dann werde der Menschensohn (zweifellos meint Jesus sich selbst) in Macht und Herrlichkeit wiederkommen, um seine Gemeinde zu sammeln. Diese Ereignisse seien nicht fern, sondern würden bald eintreten. Das Gespräch zwischen Jesus und seinen Jüngern gipfelt im Bekenntnis des Petrus, das er an den Meister richtet: «Du bist der Christus (Messias).»

Mehrfach treten Schriftgelehrte und Pharisäer auf und erheben Vorwürfe gegen Jesus: Er faste nicht, störe die Sabbatruhe, treibe mit Satans Hilfe böse Geister aus, seine Schüler reinigten sich vor dem Essen nicht die Hände. Jesus bleibt unbeeindruckt. Die alten Regeln über Unreinheit und unreine Speisen lehnt er ab. Was den Sabbat betrifft, so sei der Mensch Herr und nicht Diener des Ruhetags. Allerlei Fragen der Gelehrten beantwortet Jesus geduldig: Er spricht sich gegen die Ehescheidung aus, und er befürwortet die Zahlung von Steuern an den römischen Kaiser mit dem berühmten Satz: «Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, gebt Gott, was Gottes ist.» Die Gebote von Nächstenliebe und Gottesliebe nennt er die größten.

Nachdem Jesus Händler aus dem Tempel verjagt hat - «Mein Haus soll ein Haus des Gebets sein» -, steigert sich die Kritik an Jesus zur Anfeindung. Man sucht ihn zu töten.

Der Tod des Protagonisten: Jesus kann noch ein letztes Mahl mit seinen Jüngern halten und Brot und Wein mit ihnen teilen, dann wird er von seinem Jünger Judas verraten. Die Polizei des Tempels nimmt ihn gefangen. Nach dem Verhör vor dem Hohen Rat der Juden und einem weiteren Verhör vor dem römischen Statthalter Pontius Pilatus wird Jesus ans Kreuz geschlagen, wo er stirbt. Ein vornehmer Ratsherr lässt ihn begraben. Als drei Frauen aus dem Freundeskreis Jesu - darunter Maria aus Magdala - am zweiten Tag nach der Bestattung das Grab aufsuchen, ist es leer. Ein Engel erscheint und teilt ihnen mit, Jesus sei auferstanden; sie sollen nach Galiläa gehen, wo er sich ihnen zeigen werde. Entsetzt ergreifen die Frauen die Flucht.

Soweit der Bericht des Markus. Denselben Stoff behandeln das Matthäus-, Lukas- und Johannes-Evangelium, oft in enger Anlehnung an Markus, doch unter Einbeziehung zusätzlicher Überlieferungen.

 
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