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9.3.3.3 Anregungen zum Einsatz von Lesestrategien

Auch jede vorkommende Anregung zum Einsatz einer Lesestrategie wurde mit niedrig bis mittel inferenten Kategoriensystemen im Event-Sampling-Verfahren identifiziert und durch mehrere Kategoriensysteme detailliert beschrieben.

9.3.3.3.1 Darstellung der Kategoriensysteme

Im Fokus des Auswertungssystems stehen diejenigen Lesestrategien, die der Unterstützung bzw. Verbesserung des Leseverständnisses dienen. Dazu zählen auch Strategien, die zur Verbesserung der Dekodierfähigkeit beitragen sollen, da das richtige Erlesen von Wörtern die Grundlage für das Leseverstehen darstellt. Die in diesem Kontext relevanten Lesestrategien dienen also letztlich der (Vorbereitung der) sinnerschließenden Verarbeitung eines Textes. Aktivitäten, die ausschließlich auf die Verbesserung der Vorlesefähigkeit abzielen, wurden nicht in die Analyse eingeschlossen.

Tabelle 15 Kategoriensysteme – Anregungen zum Einsatz von Lesestrategien

Da die Länge der Strategieanregung nicht von Bedeutung ist, wurde jeweils nur der Beginn der Strategieanregung kodiert. Nach der Identifikation der Strategien wurden wie bei den zuvor dargestellten Auswertungen für jede Strategieanregung zunächst die Übungsphase, in der zum Einsatz der Strategie angeregt wird, der Sender der Strategieanregung und die Adressaten kodiert (vgl. 9.3.3). Zudem wurde die Art der Lesestrategie sowie die Form deren Vermittlung festgehalten. Um bei der Form der Strategieanregung Mehrfachkodierungen zu ermöglichen, wurden mehrere jeweils dichotome Kategoriensysteme verwendet. Für jede identifizierte Strategieanregung wurden also zum einen die Art der angeregten Strategie und zum anderen die Form dieser Anregung kodiert. Dadurch sind detaillierte Analysen dazu möglich, welche Arten von Strategien in welcher Form angeregt werden. Die Kategoriensysteme werden im Manual (vgl. Anhang: Abschnitt 4; S. 145) erläutert.

9.3.3.3.2 Vorgehen bei der Kodierung und Beobachterübereinstimmung

Zur Kodierung der Lesestrategieanregungen wurden zwei Kodiererinnen trainiert. Die Übereinstimmungen wurden zu fünf Zeitpunkten anhand von insgesamt zehn Videos überprüft. Tabelle 16 zeigt die jeweils geringste Übereinstimmung mit der Master-Kodierung.

Tabelle 16 Übereinstimmungen zwischen Master-Kodierung und trainierten Beobachterinnen bei der Kodierung der Anregungen zum Lesestrategieeinsatz

17 Für die Berechnung der Übereinstimmung bei der Identifikation der Strategieanregungen konnte Cohens Kappa nicht berechnet werden, da erst durch den Prozess der Identifikation die zu vergleichenden Fälle erzeugt werden. Es handelt sich hierbei im eigentlichen Sinn nicht um ein Kategorien-, sondern um ein Zeichenbzw. Indexsystem (z. b. Faßnacht, 1995; Pauli, 2012a). Daher wird hier nur die prozentuale Übereinstimmung angegeben.

N = 10 Videos mit insgesamt 472 Anregungen zum Einsatz von Lesestrategien

Insgesamt konnten gute Werte für die Übereinstimmung erreicht werden. Beim Kategoriensystem Form der Strategieanregung: Indirekt – Gemeinsame Anwendung Lehrkraft/ Schüler kann der im Vergleich zur prozentualen Übereinstimmung ( = 98.22 %) schlechte Wert für Cohens Kappa von k ≥ .55 mit der geringen Anzahl von Kategorien und der ungleichmäßigen Randsummenverteilung erklärt werden. Insbesondere bei dichotomen Kategoriensystemen kann der Cohens Kappa-Wert schlecht ausfallen, wenn ein Ereignis nur sehr selten (oder auch sehr häufig) auftritt, sodass nur wenig Varianz zustande kommt. Die Daten können für weitere Analysen trotz Unterschreitung des Mindestwerts von k = .70 verwendet werden, da die prozentuale Übereinstimmung mit 98.22 % sehr gut ist.

 
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