Sprachen die Franken französisch?

In der Zeit um 800 bildeten die Franken sprachlich wahrscheinlich keine Einheit mehr. Die meisten der in Gallien wohnenden Franken hatten die Sprache der sie umgebenden Romanen angenommen; sie sprachen also eine Art Altfranzösisch, wobei sich die Sprache im Norden sehr stark von der im Süden unterschied. Die weiter östlich wohnenden Franken sprachen die germanische Sprache ihrer Vorfahren. Dies galt auch für die Alemannen, die Baiern, die Thüringer, die Sachsen und die Friesen, deren Sprachen sich aber stark voneinander unterschieden; vor allem Sachsen und Friesen dürften von den südlicher wohnenden Völkern kaum verstanden worden sein. Aber auch im Gebiet des späteren Deutschland gab es noch eine romanischsprachige Restbevölkerung, so etwa im Moselgebiet oder auch im Alpenraum.

Schriftliche Zeugnisse des Altfranzösischen besitzen wir erst aus dem 9. Jahrhundert. Das älteste Zeugnis ist jener Eid, den Ludwig der Deutsche im Jahr 842 vor Straßburg in romanischer Sprache geschworen hat, damit das Heer Karls des Kahlen - seit 840 westfränkischer König und seit 875 römischer Kaiser (1'877) - ihn verstehen konnte. Karl hingegen leistete seinen Eid in deutscher (teudiscd) Sprache, um vom Heer Ludwigs verstanden zu werden.

Das sogenannte Althochdeutsche oder Theodiske ist bereits in einigen Zeugnissen aus dem ausgehenden 8. Jahrhundert schriftlich bezeugt. Das älteste erhaltene Zeugnis ist ein lateinischalthochdeutsches Wörterbuch (es wird nach dem ersten Wort «Abrogans» genannt), das uns eine Handschrift aus St. Gallen überliefert. Dieses Wörterbuch wurde in der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts geschrieben und enthält über 3000 althochdeutsche Wörter.

Anlässlich einer Kirchenversammlung im Jahr 786 ist davon die

Rede, dass eine Vorschrift sowohl auf Latein (latine) als auch in der Volkssprache (theodisce) verlesen werden soll.

Karl der Große hat sich um die volkssprachige Dichtung und auch um die bessere Pflege und Vereinheitlichung der Volkssprache gekümmert; er ließ eine Sammlung von volkssprachigen Liedern über die Taten und Kriege der alten Könige anlegen und soll damit begonnen haben, eine Grammatik der Volkssprache ausarbeiten zu lassen. Einhard berichtet auch, dass er den Monaten einheitlich fränkische Namen gegeben habe; auch die Winde seien von ihm mit volkssprachigen Namen versehen worden.

 
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