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9.4. Zusammenfassung der Ergebnisse und Diskussion des methodischen Vorgehens

Das Ziel der Studie 1 bestand in der Operationalisierung und reliablen videobasierten Erfassung kognitiv aktivierender Leseübungen auf Basis des in Kapitel 6 vorgestellten Modells. Nach einer Zusammenfassung der erzielten Ergebnisse folgt die methodische Diskussion.

9.4.1. Zusammenfassung der Ergebnisse

Bei der Entwicklung der Beobachtungsinstrumente wurde ein deduktiv-induktives Vorgehen realisiert, indem sowohl ausgehend von der Theorie als auch durch Heranziehen einer Teilstichprobe von Unterrichtsvideos Kategorien und Ratingsysteme entwickelt wurden. Während das theoriegeleitete Vorgehen bedeutsam war, um eine grundlegende inhaltliche Validität der Instrumente zu erreichen, diente das induktive Vorgehen dazu, die Instrumente an das Videomaterial anzupassen, da bisherige Beobachtungssysteme zur kognitiven Aktivierung vorwiegend für Unterricht in höheren Klassen und mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterricht entwickelt wurden.

Es wurde eine Kombination aufeinander aufbauender niedrig, mittel und hoch inferenter Beobachtungssysteme entwickelt, um zum einen die Leseübung präzise beschreiben und zum anderen die Unterrichtsqualität bezüglich der kognitiven Aktivierung der Schülerinnen und Schüler einschätzen zu können. Wichtig ist, dass nicht nur die Ratings die Beurteilung der Unterrichtsqualität ermöglichen, sondern auch anhand der niedrig inferenten Kodierung Qualitätsaussagen abgeleitet werden können. Diese werden in der Studie 2 dargestellt.

Bei der Entwicklung der Beobachtungssysteme wurde sowohl darauf geachtet, den Anschluss an die allgemeine Unterrichtsforschung und die dort untersuchten Konstrukten und die einzelnen Merkmale der Unterrichtsqualität herzustellen als auch die Fachspezifität ausreichend zu berücksichtigen (vgl. 2.4). Ein Merkmal, welches bereits an sich stark fachdidaktisch verankert ist, sind die Lesestrategieanregungen, wohingegen die übrigen Aspekte kognitiv aktivierender Leseübungen (z. B. Feedback, Fragen, Hilfestellungen) grundlegend in allen Fächern bedeutsam sein dürften. Hier wurde daher lediglich bei der Operationalisierung der Fachbezug berücksichtigt, indem beispielsweise die Kategorisierung der einzelnen Fragen spezifisch auf das Lesen bezogen wurde, indem beim Feedback verschiedene Arten richtigen und falschen Vorlesens unterschieden wurden oder bei den Hilfestellungen direkt lesebezogene Hilfen von aufgabenbezogenen Unterstützungen unterschieden wurden. Die Operationalisierungen im Einzelnen sind in den Manualen im Anhang dargestellt.

Die Beobachterübereinstimmung und -reliabilität wurde für alle Ratingsysteme immer sowohl unmittelbar nach dem Training der Beobachterinnen als auch über den Verlauf der Kodierungen und Ratings mehrfach überprüft. Dies war wichtig, um sicherzustellen, dass die Beobachterinnen nicht im Verlauf der Auswertungen eigene Umdeutungen oder Anpassungen der Regeln vornehmen und sich weiter von den im Manual festgelegten Definitionen entfernen. Es stellte sich zudem als hilfreich heraus, mit den Beobachterinnen nach jeder Übereinstimmungsprüfung über die noch vorhandenen Unstimmigkeiten zu sprechen und so das gemeinsame Verständnis erneut sicherzustellen. Dies war möglich, da nicht nur die Übereinstimmungen der Kodiererinnen untereinander überprüft wurden, sondern auch die Übereinstimmung mit der Master-Kodierung kontrolliert wurde. Die Übereinstimmungen für die niedrig bis mittel inferenten, nominalskalierten Kategoriensysteme wurden als prozentuale

Übereinstimmungen und über die Angabe von Cohens Kappa berichtet, für die mittel bis hoch inferenten Ratingsysteme anhand des Generalisierbarkeitskoeffizienten und der Varianzkomponentenverteilung. Die Werte für die Beobachterübereinstimmungen und Reliabilitäten sind zufriedenstellend und übertreffen die vorab festgelegten Mindestwerte meist deutlich. Der videografierte Unterricht lässt sich mit den entwickelten Kategoriensystemen also objektiv und reliabel erfassen.

 
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