Der Frankenkönig

Was war eine Königspfalz?

Schon die merowingischen Frankenkönige regierten ihr Reich nicht von einer Hauptstadt aus, sondern änderten ihren Aufenthalt immer wieder und residierten an verschiedenen Orten. Dies war einmal bedingt durch die Tatsache, dass die Verkehrs- und Transportverhältnisse nicht mehr so gut waren wie zu Zeiten des Römischen Reiches und daher eine größere Anzahl von Personen an einem Ort nicht ohne Weiteres über einen längeren Zeitraum hinweg verpflegt werden konnte. Zum anderen mussten die Erträge der königlichen Besitztümer im gesamten Reich meist in Form von Naturalien abgeführt werden, weil es keinen freien Handel mit Lebensmitteln gab. Diese Erträge konnten auch nicht alle nur in ein Zentrum geschafft, sondern mussten an verschiedene, über das ganze Reich verteilte Orte transportiert und dort gelagert werden. Der König und sein Hofstaat reisten dann zu diesen Orten, um die eingelagerten Vorräte zu verzehren («Abweiden» des Königsguts). Wegen der Unsicherheit, die im fränkischen Reich spätestens seit dem Ende des 6. Jahrhunderts um sich griff, mussten solche Orte befestigt werden. Diese befestigten Höfe wurden palatium genannt; daraus hat sich das deutsche Wort «Pfalz» entwickelt. Eine solche Pfalz bestand aus Wohn- und Vorratsgebäuden sowie Stallungen, um den Herrscher, seine Begleiter und ihre Pferde beherbergen zu können. Da diese Pfalzen über das gesamte Reichsgebiet verstreut waren, dienten sie oft auch dazu, die regionalen Amtsträger und den regionalen Adel zu versammeln, wenn der König anwesend war.

Die Könige wohnten aber nicht nur in diesen Pfalzen, sondern sie benutzten auch Klöster oder Bischofssitze als Residenz, wenn sie sich in einer bestimmten Gegend aufhielten. Da bereits die Merowinger Einfluss auf die Auswahl der Bischöfe ausübten und auch manche Klöster von ihnen abhängig waren, war es für die Könige nicht schwierig, Bischöfe und Äbte dazu zu zwingen, sie und ihre

Begleitung für einige Tage oder Wochen als Gäste unterzubringen und zu verpflegen.

Es ist nicht leicht, Zahlenangaben über die Größe der königlichen Entourage zu machen. Für das 10. Jahrhundert wissen wir, dass wir mit mehreren hundert oder sogar mit 1000 Personen rechnen müssen, die mit dem König zusammen das Reich durchzogen und verpflegt werden mussten.

 
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