< Zurück   INHALT   Weiter >

10.1.3. Anregung von Denkprozessen durch Aufgabenstellungen

Die Qualität und das Anforderungsniveau von Aufgaben werden als zentrales Element zur Bestimmung des Potenzials des Unterrichts zur kognitiven Aktivierung der Schülerinnen und Schüler angesehen (vgl. 6.2.2). Deshalb wird die Aufgabengestaltung und -qualität im Unterricht betreffend folgende übergeordnete Frage gestellt:

Als Grundlage für die folgenden Analysen wird zunächst die Häufigkeit von Aufgabenstellungen im Unterricht berichtet.

Aufgaben sollen die Aufmerksamkeit der Schülerinnen und Schüler auf spezifische inhaltliche Aspekte lenken und können damit die Informationsverarbeitung steuern (Doyle, 1983; Stein et al., 1996). Dabei wird immer wieder auf die Bedeutung einer expliziten Nennung des Ziels der Aufgabenbearbeitung hingewiesen (vgl. 6.2.2.2.1). Daher wird untersucht, wie häufig Aufgaben spezifische Ziele enthalten, die über ein reines Erlesen der Texte hinausgehen, und es wird analysiert, ob den Schülerinnen und Schülern dieses Ziel explizit genannt wird.

Bedeutsam für die Bestimmung von Aufgaben in Hinblick auf ihr Potenzial zur kognitiven Aktivierung der Lernenden ist deren kognitives Niveau (vgl. 6.2.2.2.3), wobei beispielsweise Reproduktion, naher und weiter Transfer sowie kreatives Problemlösen unterschieden werden (Metz et al., 2009). Eine weitere Möglichkeit zur Bestimmung des kognitiven Niveaus von Aufgaben ist die Anzahl der zur Lösung benötigten Wissenseinheiten (z. B. Neubrand, 2002; Metz et al., 2009; Maier et al., 2010a, b). Bisherige Studien ergeben, dass im Unterricht vorwiegend einfache, Reproduktion erfordernde Aufgaben gestellt werden (Baumert & Lehmann, 1997; Jatzwauk, 2007; Kleinbub, 2009, 2010; Kleinknecht, 2010a; Renkl, 1991). Ein häufig beobachtetes Phänomen stellt zudem die Kleinarbeitung ursprünglich komplexer Aufgaben im Unterricht dar (Newman et al., 1989; Pauli, 2006a; Stein et al., 1996; Stein & Lane, 1996; Baumert & Lehmann, 1997; Blömeke et al., 2006), was deshalb auch in der vorliegenden Studie überprüft werden soll.

Auch die Offenheit von Aufgaben soll als ein Merkmal von deren Qualität untersucht werden. Dabei können sowohl das Antwortformat oder das Ergebnis als auch der Lösungsweg einen bestimmten Grad an Offenheit aufweisen (vgl. 6.2.2.2.4). Die Studie von Fürst (1999) zeigt beispielsweise, dass die meisten im Unterricht gestellten Arbeitsaufträge eher geschlossen sind, sodass die Schülerinnen und Schüler nur wenige Handlungsspielräume haben.

Zuletzt sollen weitere Aspekte, die mit der Aufgabenkultur im Unterricht zusammenhängen, hoch inferent analysiert werden. Dabei wird eingeschätzt, inwiefern im Unterricht Aktivierende Aufgaben gestellt werden, ob eine Exploration des Vorwissens und vorunterrichtlicher Vorstellungen sowie eine Unterstützung kognitiver Selbstständigkeit stattfindet, und ob die Lehrpersonen Aktivitäten zur Herstellung aufgabenbezogener Motivation realisieren. Diese Qualitätsaspekte sollen anschließend mit den prozentualen Anteilen verschiedener Aufgaben im Unterricht korreliert werden, um die Frage zu beantworten, ob die Häufigkeit bestimmter Aufgabenstellungen mit der Einschätzung der Qualität des Unterrichts zusammenhängt.

 
< Zurück   INHALT   Weiter >