Warum meldete sich Hitler zu Beginn des Ersten Weltkriegs als Freiwilliger?

Im Mai 1913 war Hitler von Wien nach München umgezogen, vermutlich auch, um dem Militärdienst in Österreich zu entgehen. Als Angehöriger des Jahrgangs 1889 hätte er bereits im Frühjahr 1910 zur Musterung erscheinen müssen. Im Januar 1914 machte die Linzer Polizei den Stellungsflüchtigen in München ausfindig. Auf Hitlers Antrag wurde er nicht in Linz, sondern im näher gelegenen Salzburg nachgemustert. Der Befund vom 5. Februar 1914 lautete: «Zum Waffen- und Hilfsdienst untauglich, zu schwach.» Dennoch meldete sich Hitler in den ersten Augusttagen 1914 freiwillig zum Kriegsdienst in der bayerischen Armee. Am

1. September wurde der Rekrut dem neu aufgestellten 16. Reserve-Infanterie-Regiment zugewiesen - nach dem Namen seines ersten Kommandeurs «Regiment List» genannt -, das Ende Oktober an die Westfront verlegt wurde.

Manches spricht dafür, dass sich Hitler von dem in bürgerlichen Kreisen herrschenden überschäumenden Patriotismus jener Tage mitreißen ließ. Ein Foto, das sein späterer «Leibphotograph» Heinrich Hoffmann aufnahm, zeigt ihn euphorisiert inmitten einer vieltausendköpfigen Menge auf dem Odeonsplatz vor der Feldherrnhalle am 2. August 1914. Für den neuerdings geäußerten Verdacht, Hoffmann habe Hitler nachträglich in die Aufnahme hineinmontiert, gibt es keinen schlüssigen Beweis. Hitlers Bekenntnis in «Mein Kampf», er habe die damaligen Stunden wie «eine Erlösung aus den ärgerlichen Empfindungen der Jugend» empfunden, erscheint durchaus glaubwürdig. Der Krieg eröffnete dem 25-jährigen Eigenbrötler die Möglichkeit, dem Zustand der Perspektivlosigkeit zu entfliehen. Denn auch in München hatte er keine Anstrengung unternommen, einer geregelten Tätigkeit nachzugehen oder sich für einen bürgerlichen Brotberuf ausbilden zu lassen.

Hitler inmitten einer patriotischen Kundgebung auf dem Münchner Odeonsplatz, 2. August 1914. Die Aufnahme machte sein späterer «Leibphotograph» Heinrich Hoffmann.

 
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