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10.3.1.2 Zusammenfassung und Diskussion der Ergebnisse

Insgesamt zeigt sich allein anhand der Auswertung der grundlegenden Beschreibungen zur Sichtstruktur mit Hilfe der inhaltsbezogenen Aktivitäten, der Sozialformen und der Übungsphasen, wie stark sich die einzelnen Unterrichtsstunden – trotz der inhaltlichen Vorgaben – unterscheiden. Die deutliche Varianz in der Sichtstruktur des Unterrichts spricht dafür, dass die inhaltlichen Vorgaben die Lehrpersonen nicht zu stark eingeschränkt haben. Dass allein die Dauer der Leseübung in den einzelnen Lerngruppen deutlich variiert (Min = 2.67 Minuten; Max = 55.50 Minuten), muss bei den folgenden Auswertungen berücksichtigt werden. Die unterschiedliche Dauer der Leseübung macht es erforderlich, insbesondere die Ergebnisse der niedrig und mittel inferenten Kodierungen, die auf Timeoder Event-Sampling-Verfahren beruhen, immer an der Dauer der Leseübung zu relativieren. Für das hoch inferente Rating wurde zudem das Video mit der kürzesten Dauer der Leseübung aus der Analyse ausgeschlossen, da eine Beurteilung des Unterrichtsgeschehens anhand der nur knapp 3-minütigen Sequenz nicht sinnvoll erschien.

Auffallend ist weiterhin, dass sich auch der Anteil von öffentlichen Unterrichtsphasen und Schülerarbeitsphasen stark unterscheidet: In einigen Lerngruppen wurde sogar jeweils nur eine dieser beiden übergeordneten Sozialformen verwirklicht. Inwiefern dies mit der Qualität des Unterrichts in Zusammenhang steht, wird in Studie 3 (Kapitel 11) näher betrachtet. Auch die Ergebnisse aus der Kodierung der Übungsphasen bestätigen die individuelle Gestaltung der Leseübungen. Für alle weiterführenden Kodierungen im Event-Sampling-Verfahren wurde daher immer zusätzlich kodiert, in welcher Übungsphase das zu identifizierende Ereignis (z. B. die Frage oder das Feedback) auftrat, um spätere differenzielle Analysen zu ermöglichen. Hier kann analysiert werden, ob sich beispielsweise das Feedback in öffentlichen Unterrichtsphasen von dem in Schülerarbeitsphasen unterscheidet oder ob Aufgaben in Vorlesephasen eine höhere Qualität haben als im Unterrichtsgespräch über die Lesetexte (vgl. 12.2).

 
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