Wie groß war die Zustimmung der Deutschen für Hitler?

Diese Frage ist nicht leicht zu beantworten, denn unabhängige Meinungsumfragen gibt es nicht, und die zumeist über 90-Prozent-Ergebnisse, die das Regime in den Plebisziten erreichte, können selbstverständlich nicht als Spiegel der wahren Volksstimmung gelten. Aber dass Hitler in den ersten Jahren seiner Regierung von einer Welle der Zustimmung getragen wurde und eine Mehrheit der

Bevölkerung hinter sich hatte, das lässt sich kaum bestreiten. Vor allem die Beseitigung der Massenarbeitslosigkeit und die Erfolge in der Außenpolitik wurden seinem Konto gutgeschrieben.

Allerdings war Hitlers Popularität nicht konstant, sondern Schwankungen unterworfen. Nach der Euphorie der Anfangsmonate machten sich im Frühjahr 1934 Ernüchterung und Enttäuschung breit, weil es wirtschaftlich nicht so rasch aufwärts ging wie erhofft. Der Schlag gegen die SA-Führung und gegen die Gruppe um Papen war auch eine Reaktion darauf. Im Herbst 1935 ließen Versorgungsengpässe und kirchenfeindliche Maßnahmen des Regimes die Unzufriedenheit wieder ansteigen. Der Einmarsch ins entmilitarisierte Rheinland im März 1936 war auch innenpolitisch motiviert; er sollte von den Schwierigkeiten im Innern ablenken.

Einen Höhepunkt erreichte Hitlers Popularität mit dem Anschluss Österreichs im März 1938. Vermutlich war die Zustimmung zu seinem Regime niemals größer als damals. In der «Sudentenkrise» des Herbsts 1938 überwog die Angst vor einem neuen Krieg, und auch Hitlers Ansehen wurde dadurch in Mitleidenschaft gezogen. Die Ovationen, die dem britischen Premierminister Neville Chamberlain während der Münchner Konferenz Ende September 1938 bereitet wurden, enthielten auch eine unterschwellige Kritik an dem deutschen Staatschef, der Europa hart an den Abgrund eines neuen Krieges geführt hatte. Der überraschend schnelle Sieg über Frankreich im Frühsommer 1940 ließ Hitlers Popularitätskurve noch einmal ansteigen. Nach der Niederlage von Stalingrad Anfang 1943 ging es damit jedoch steil bergab.

 
Quelle
< Zurück   INHALT   Quelle   Weiter >