Was machte Thomas Paines «Common Sense» so wichtig?

Die Flugschrift «Common Sense: Addressed to the Inhabitants of America» («Gesunder Menschenverstand: An die Einwohner von Amerika gerichtet»), die 1776 anonym «von einem Engländer» veröffentlicht wurde, war einer der größten Veröffentlichungserfolge des 18. Jahrhunderts und eines der erfolgreichsten Pamphlete der Weltgeschichte. Ihr Autor, ein Steuerbeamter, Lehrer und Korsettmacher, der einfachen Verhältnissen entstammte, war erst 1774 von London nach Philadelphia eingewandert, wo er zunächst als

Buchverkäufer arbeitete. Seine Schrift griff den bis dahin weitgehend verschonten König Georg III. in beispielloser Weise als unfähigen und tyrannischen «Pharao» an und ging mit dem «göttlichen Recht» der Könige Englands in aller Schärfe ins Gericht. William den Eroberer nannte Paine einen französischen Bastard, der sich mit Unterstützung bewaffneter Banditen und gegen den ausdrücklichen Willen der einheimischen Bevölkerung auf den Thron gesetzt habe. In simplen, kraftvoll-drastischen Formulierungen sprach der Autor von «Common Sense» öffentlich aus, was viele Amerikaner insgeheim dachten: «’Tis Time to Part.» «Wir haben es in unserer Hand, die Welt von Neuem zu beginnen.» Nur die Unabhängigkeit könne verhindern, dass die Amerikaner nicht dem Schicksal der Engländer verfielen, das sich durch politische Korruption, moralischen Verfall und die Verstrickung in eine Kette von Kriegen auszeichne. Paines Stil und der günstige Preis des Pamphlets machten «Common Sense» bald zum amerikanischen Bestseller. Innerhalb von kürzester Zeit wurden etwa 500.000 Exemplare der Flugschrift gedruckt und verbreitet. Umgerechnet auf die Bevölkerung müsste ein Buch in der Bundesrepublik wenigstens 13 Millionen Mal verkauft werden, um einen vergleichbar phänomenalen Verkaufserfolg zu erzielen.

 
Quelle
< Zurück   INHALT   Quelle   Weiter >