Warum wurde Washington D.C. die Hauptstadt der USA?

Im ausgehenden 18. Jahrhundert war die Gegend, in der sich heute die amerikanische Hauptstadt befindet, fast völlig unbesiedelt. Es gab Tabak- und Maisfelder, Obstgärten, kleine Wälder und Sümpfe. Im November des Jahres 1800, als Washington zum Regierungssitz der USA wurde, existierten im rautenförmigen Plan der neuen Hauptstadt, der immerhin 259 Quadratkilometer umfasste, ganze 109

bewohnbare Häuser aus Stein und 263 Holzgebäude. Nicht Demografie oder Geografie, sondern politisches Feilschen bestimmte den Standort der neuen Stadt. Zwischen 1783 und 1790 tagte der Kongress in sechs verschiedenen Städten zwischen New York City im Norden und Annapolis, Maryland, im Süden. In den Debatten um einen permanenten Regierungssitz favorisierten die Südstaaten, angesichts der beginnenden Westexpansion, einen weiter im Landesinneren gelegenen Ort. Die Neuenglandstaaten, die die Zukunft Amerikas im Handel mit Europa sahen, wollten eine Stadt an der Ostküste. Zentralisten wünschten sich eine Metropole wie Philadelphia; ihre Gegner warben dagegen für einen einfachen Regierungssitz: für eine Art Bundesdorf, nicht für eine Hauptstadt. Mehrfach kamen die Abgeordneten einem Kompromiss nahe - einmal war sogar eine Doppelhauptstadt (Trenton, New Jersey, im Norden und Georgetown, Maryland, im Süden) vorgesehen; doch erst 1790 bestimmte Präsident George Washington, der sich anfangs zurückgehalten hatte, den Standort 16 Kilometer nördlich von seinem Wohnsitz am Potomac in Virginia. Er führte die Schönheit der Natur als Argument ins Feld (und profitierte im Übrigen vom Verkauf seiner Ländereien). 1791 wurde die neue Stadt nach Washington benannt; er selbst nannte sie immer nur die Bundesstadt - «the Federal City».

 
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