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11.1.1. Fragestellungen

Da das hoch inferente Ratingsystem (vgl. 9.3.4.2) neu entwickelt wurde, sollen die damit gewonnenen Daten zunächst auf ihre Dimensionalität überprüft werden.

Da es sich bei dem hoch inferenten Ratinginstrument (vgl. 9.3.4.2 und Anhang, Abschnitt 8,

S. 341) um ein neu entwickeltes und noch nicht an anderen Stichproben erprobtes Instrument handelt und zudem keine Studien oder Konzeptualisierungen der Struktur des Unterrichtsqualitätsmerkmals kognitive Aktivierung für den Leseunterricht der Grundschule vorliegen, können vorab kaum Annahmen zur Anzahl der resultierenden Faktoren oder zu deren inhaltlicher Bestimmung getroffen werden. Daher werden explorative Faktorenanalysen verwendet, wobei vorab keine Annahmen zur genauen Anzahl der Faktoren getroffen werden. Allerdings kann aufgrund der Anlage des Ratingsystems – das mit insgesamt 28 Items verschiedene inhaltlich voneinander abgrenzbare Teilbereiche enthält – davon ausgegangen werden, dass die erfassten Qualitätsmerkmale kein homogenes Konstrukt abbilden, sondern dass eine mehrfaktorielle Lösung resultieren dürfte. Da in die Itemsammlung sowohl Merkmale aufgenommen wurden, die im engeren Sinn kognitiv aktivierenden Unterricht charakterisieren, als auch Aspekte, die eher Rahmenbedingungen kognitiv aktivierenden Unterrichts (wie eine effektive Klassenführung, eine entspannte Lernatmosphäre oder die Differenzierung und Individualisierung des Unterrichts) beschreiben, wird vermutet, dass sich diese Trennung zwischen kognitiver Aktivierung im engeren Sinn und deren Rahmenbedingungen auch in der Faktorenstruktur wiederfinden dürfte.

Im Anschluss an die Ermittlung der Faktorenstruktur sollen deskriptive Analysen aufzeigen, in welcher Ausprägung die Faktoren in den beobachteten Unterrichtsstunden vorzufinden sind. Auf Grundlage des Forschungsstands (vgl. 3.3; 6.2) und aufgrund der deskriptiven Ergebnisse aus Studie 2 (vgl. 10.3) wird davon ausgegangen, dass diejenigen Faktoren, die eher die kognitive Aktivierung im engeren Sinn betreffen, in den Leseübungen im ersten Schuljahr geringer ausgeprägt sind als diejenigen Aspekte, welche sich eher den Rahmenbedingungen kognitiv anregenden Unterrichts zuordnen lassen.

Zuletzt wird überprüft, ob die einzelnen Dimensionen miteinander in Zusammenhang stehen. Da die hoch inferenten Ratingdimensionen insgesamt sehr heterogene Aspekte der Unterrichtsqualität in Hinblick auf die kognitive Aktivierung abbilden, ist nicht unbedingt davon auszugehen, dass alle Dimensionen miteinander in Zusammenhang stehen, sondern dass sich eventuell Blöcke bilden lassen, die wiederum die Unterscheidung zwischen der kognitiven Aktivierung im engeren und im weiteren Sinn betreffen.

 
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