Ist Herzstolpern harmlos oder gefährlich?

Herzrhythmusstörungen werden vom Patienten häufig als Herzstolpern oder als «Stottern» des Herzens empfunden. Dabei ist die Empfindlichkeit der Patienten, Unregelmäßigkeiten des Herzens zu spüren, außerordentlich unterschiedlich. Einige Patienten empfinden im Grunde jede auch noch so kurz dauernde Herzrhythmusstörung, andere bemerken sie überhaupt nicht. Zwischen der «Gefährlichkeit» und den Beschwerden besteht keine Beziehung. Ernsthafte Herzrhythmusstörungen werden vom Patienten häufig gar nicht wahrgenommen.

Die beiden wichtigsten Fragen, die es zu beantworten gilt, sind:

■ Welche Herzrhythmusstörung liegt dem Herzstolpern zugrunde?

■ Gibt es Anhaltspunkte für eine Herzkrankheit?

Welche Herzrhythmusstörung vorliegt, lässt sich in der Regel im EKG und Langzeit-EKG feststellen. Bei selten auftretenden Herzrhythmusstörungen hilft die Tele-EKG-Ableitung und die Übertragung des EKGs per Telefon durch den Patienten. In seltenen Einzelfällen kann die Herzrhythmusstörung nur über einen implantierten Eventrecorder erfasst werden. Dies ist besonders dann relevant, wenn die Herzrhythmusstörung vermutlich Ursache von Anfällen von Bewusstlosigkeit ist.

Ob eine Herzkrankheit oder eine andere für die Herzrhythmusstörung verantwortliche Krankheit vorliegt, lässt sich relativ einfach diagnostizieren.

Schwieriger zu beurteilen ist, ob und welche Gefahr von den Herzrhythmusstörungen ausgeht. Hierfür spielt nicht nur der Typ der Herzrhythmusstörung, sondern auch die zugrunde liegende Herzitrankheit eine Rolle. Selten treten Rhythmus Störungen auf, von denen Gefahr ausgeht, obwohl eine Herzkrankheit offensichtlich nicht vorliegt.

Nach formalen Gesichtspunkten lassen sich die Rhythmusstörungen bezüglich ihrer prognostischen Wertigkeit in drei Gruppen klassifizieren:

■ Mit Abstand am häufigsten sind gutartige Herzrhythmusstörungen, die nur behandelt werden müssen, wenn sie erhebliche Beschwerden verursachen.

■ Nicht so selten finden sich «potentiell bösartige» Herzrhythmusstörungen, die meistens bei Herzeritrankungen vorkommen und im seltenen Einzelfall Ursache eines plötzlichen Herztodes sein können.

■ Zum Glück selten sind hingegen bösartige Herzrhythmusstörungen, von denen bekannt ist, dass sie Vorläufer des plötzlichen Herztodes sind.

«Potentiell bösartige» Herzrhythmusstörungen stellen das größte Problem dar. Sie müssen im Einzelfall behandelt werden, wenn der Nutzen der Therapie deutlich größer ist als mögliche Schäden. Bösartige Herzrhythmusstörungen dagegen müssen in jedem Fall behandelt werden, um einen plötzlichen Herztod zu verhindern.

 
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