Menü
Start
Anmelden / Registrieren
Suche
 
Start arrow Pädagogik arrow Kognitive Aktivierung im Leseunterricht der Grundschule
< Zurück   INHALT   Weiter >

11.3.3.5 Komponente 5: „Motivierende Haltung der Lehrperson“

Für die Berechnung der Zusammenhänge der fünften Komponente („Motivierende Haltung der Lehrperson“) mit Aspekten der Unterrichtsgestaltung wurden Ergebnisse aus den Kodierungen der Aufgaben, der Lernunterstützung und des Feedbacks berücksichtigt (vgl. Tabelle 128).

Ob die aufgestellten Hypothesen zum Zusammenhang der fünften Komponente bestätigt werden können, wird im Folgenden dargestellt und diskutiert.

Tabelle 128 Korrelationen (Spearman-Rho) der Komponente 5 mit ausgewählten niedrig inferenten Kodierungen

Alle mindestens auf dem 0.05 %-Niveau signifikanten Korrelationen sind fett gedruckt (p < .05).

11.3.3.5.1 Überprüfung der Hypothesen

H 5.1 Die „Motivierende Haltung der Lehrperson“ wird umso positiver beurteilt, je mehr Zeit die Lehrpersonen den einzelnen Aufgabenstellungen widmen.

Diese Hypothese kann bestätigt werden. Sowohl die Summe der Dauer aller innerhalb der Leseübung gestellten Aufgaben (r = .29) als auch die mittlere Dauer der einzelnen Aufgabenstellungen (r = .40) hängen positiv mit der Einschätzung von Komponente 5 zusammen.

H 5.2 Die „Motivierende Haltung der Lehrperson“ wird umso positiver beurteilt, je häufiger Aufgaben in kooperativen Lernformen (Partnerund Gruppenarbeit) bearbeitet werden sollen.

Die Häufigkeit, mit der Aufgaben in Gruppenarbeit bearbeitet werden sollen, hängt erwartungsgemäß positiv mit einer „Motivierenden Haltung der Lehrperson“ zusammen. Zur Häufigkeit der Aufgabenbearbeitung in Partnerarbeit ergeben sich aber keine Zusammenhänge.

H 5.3 Die „Motivierende Haltung der Lehrperson“ wird umso positiver beurteilt, je häufiger die Lehrpersonen die Schülerinnen und Schüler in Schülerarbeitsphasen ermutigen.

Lediglich für Ermutigungen zur Aufgabenbearbeitung kann die Hypothesen bestätigt werden. Ermutigen beim Erlesen zeigen hingegen keinerlei Zusammenhänge zu einer „Motivierenden Haltung der Lehrperson“.

H 5.4 Die „Motivierende Haltung der Lehrperson“ wird umso positiver beurteilt, je mehr Zeit die Lehrpersonen den einzelnen Rückmeldungen widmen.

Zwar zeigt sich kein Zusammenhang der Komponente 5 zur Gesamtdauer aller Feedbacks (vgl. Tabelle 125, S. 418), die mittlere Dauer jedes einzelnen Feedbacks hängt aber signifikant positiv mit einer „Motivierenden Haltung der Lehrperson“ zusammen.

H 5.5 Die „Motivierende Haltung der Lehrperson“ wird umso positiver beurteilt, je häufiger die Lehrpersonen affektiv positives Feedback erteilen.

Diese Hypothese kann bestätigt werden. Zusätzlich hängt die absolute Häufigkeit affektiv positiven Feedbacks auch mit Komponente 2 („Konstruktive Lernunterstützung“) und 3 („Förderung einer eigenständigen Auseinandersetzung mit dem Lerngegenstand“) positiv zusammen.

H 5.6 Die „Motivierende Haltung der Lehrperson“ wird umso positiver beurteilt, je häufiger die Rückmeldungen der Lehrpersonen Informationen zum bisherigen Fortschritt der Aufgabenbearbeitung (Feed-Back) enthalten.

Die Häufigkeit von Feed-Back korreliert wie erwartet signifikant positiv mit Komponente 5.

H 5.7 Die „Motivierende Haltung der Lehrperson“ wird umso positiver beurteilt, je häufiger die Lehrpersonen beim Erteilen von Feedback eine explizite individuelle Bezugsnorm anwenden.

Diese Hypothese kann verifiziert werden. Je häufiger die Rückmeldungen der Lehrperson die explizite Verwendung einer individuellen Bezugsnorm beinhalten, desto positiver wird die Komponente „Motivierende Haltung der Lehrperson“ eingeschätzt.

11.3.3.5.2 Diskussion der Ergebnisse

Zur Prüfung der Zusammenhänge der fünften Komponente mit den niedrig inferenten Kodierungen wurden die Bereiche Aufgaben, Lernunterstützung und Feedback ausgewählt, wobei die Hypothesen teilweise bestätigt werden konnten.

Erwartungsgemäß zeigt sich, dass Lehrpersonen, die eine „Motivierende Haltung“ aufweisen, den einzelnen Aufgabenstellungen mehr Zeit widmen, die sie eventuell dazu nutzen, die

Funktion der Aufgabe gut zu erklären, um den Schülerinnen und Schülern den Sinn stärker zu verdeutlichen als es mit einer sehr knappen Aufgabenstellung möglich ist.

Die Hypothese, die auf der Motivationstheorie nach Ryan und Deci (2000) basiert, dass Lehrpersonen mit einer „Motivierenden Haltung“ die Lernenden vermehrt Aufgaben innerhalb kooperativer Lernformen bearbeiten lassen, kann teilweise bestätigt werden, da lediglich die Korrelationen mit Gruppenarbeit, nicht mit Partnerarbeit positiv und signifikant sind. Dabei muss berücksichtigt werden, dass in den hier videografierten Unterrichtsstunden insgesamt nur selten überhaupt kooperative Arbeitsphasen vorkommen und dass insbesondere bei der Partnerarbeit nur wenig Varianz zwischen den Unterrichtsvideos besteht (vgl. 10.3.1.1.4).

Die These, dass die „Motivierende Haltung der Lehrperson“ vermehrt mit Ermutigungen einhergeht, kann nur für Ermutigungen bei der Aufgabenbearbeitung, nicht beim Erlesen bestätigt werden. Dass sich hier keine konsistenten Zusammenhänge zeigen, könnte eventuell darauf zurückzuführen sein, dass beide Formen von Ermutigungen im Mittel nur selten vorkommen, sodass hier wenig Varianz vorhanden ist.

Im Bereich Feedback konnten fast alle Hypothesen weitgehend bestätigt werden. In Tabelle 125 (S. 418) wurde bereits gezeigt, dass die reine Häufigkeit von Feedback keinen Zusammenhang zur „Motivierenden Haltung der Lehrperson“ aufweist. Hier zeigt sich jetzt aber – ähnlich wie bereits in Abschnitt 11.3.3.2 für die individuellen Lehrer-Schüler-Interaktionen – dass die mittlere Dauer jedes einzelnen Feedbacks bedeutsam ist. Das bedeutet, je mehr Zeit sich die Lehrpersonen durchschnittlich für jedes einzelne Feedback nehmen, desto motivierender wird ihre Haltung eingeschätzt. Ein deutlicher Zusammenhang ergibt sich erwartungsgemäß auch für die Häufigkeit einer individuellen Bezugsnormorientierung beim Erteilen von Feedback. Diese Form von Feedback kann vor allem das Kompetenzempfinden schwächerer Schülerinnen und Schüler positiv beeinflussen und somit motivierend wirken (Ryan & Deci, 2000).

Auch anhand dieser Ergebnisse wird wiederum deutlich, dass sich die Einschätzung einer

„Motivierenden Haltung der Lehrperson“ – ähnlich wie bereits das „Schaffen einer lernförderlichen Umgebung“ vor allen in direkten Aspekten der Lehrer-Schüler-Interaktion manifestiert.

 
Fehler gefunden? Bitte markieren Sie das Wort und drücken Sie die Umschalttaste + Eingabetaste  
< Zurück   INHALT   Weiter >
 
Fachgebiet
Betriebswirtschaft & Management
Erziehungswissenschaft & Sprachen
Geographie
Informatik
Kultur
Lebensmittelwissenschaft & Ernährung
Marketing
Maschinenbau
Medien und Kommunikationswissenschaft
Medizin
Ökonomik
Pädagogik
Philosophie
Politikwissenschaft
Psychologie
Rechtswissenschaft
Sozialwissenschaften
Statistik
Finanzen
Umweltwissenschaften