Wie schädlich ist Rauchen?

Die erste Untersuchung, die die Schädlichkeit des Rauchens zweifelsfrei nachgewiesen hat, datiert mehr als ein halbes Jahrhundert zurück. In dieser Studie wurden über 30.000 britische Ärzte, die sich bereit erklärt hatten, ihre Rauchgewohnheiten in ein zentrales Register einzutragen, über Jahrzehnte nachverfolgt. Schon nach einem Jahrzehnt (um 1960) gab es keinen Zweifel: Rauchen ist hochgefährlich und führt zu Lungenkarzinomen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Diese Erkenntnis war damals nicht selbstverständlich, da Rauchen - wie man an den damaligen Kinofilmen sieht - Bestandteil des Lebensstils war. Ja, man war sogar der Ansicht, dass bestimmte Krankheiten durch Rauchen günstig beeinflusst werden.

Wie groß der Schaden des Zigarettenrauchens ist, wurde in den nachfolgenden Jahrzehnten immer deutlicher. Zigarettenrauchen verkürzt die Lebenserwartung um etwa 10 Jahre, jede einzelnezusätzliche Zigarette verkürzt das Leben eines Rauchers um

10 Minuten. Die Häufigkeit des Bronchialkarzinoms bei Rauchern ist 15-mal höher als bei Nichtrauchern. Auch andere Krebserkrankungen tie ten bei Rauchern deutlich öfter auf: Nieren- und Blasenkrebs, Speiseröhren-, Rachen-, Kehlkopf- und sogar Brustkrebs. Aber nicht nur maligne Erkrankungen, sondern auch andere Lungenerkrankungen wie das chronisch obstruktive Syndrom und das Lungenemphysem treten bei Rauchern um ein Vielfaches vermehrt auf als bei Nichtrauchern. Herzinfarkt, Schlaganfall und die periphere Durchblutungsstörung von Becken und Beinen (Schaufensterkrankheit) werden durch Rauchen in ihrer Häufigkeit verdoppelt. Allein etwa 60.000 Herzinfarkte gehen pro Jahr auf das Rauchen zurück. Dazu kommen mehrere zehntausend Schlaganfälle und schwere Durchblutungsstörungen anderer Organe.

Lange Zeit wurde die Gefährlichkeit des passiven Rauchens unterschätzt. Mittlerweile wissen wir: Es erhöht das Risiko für einen Herzinfarkt um 50 %. Dies ist erstaunlich, da Passivraucher im Vergleich zum Raucher nur eine minimale Menge Rauch inhalieren. Die plausible Erklärung dafür ist: Der von der glimmenden Zigarette ausgehende und in der Zimmerluft verbreitete Nebenrauch enthält besonders viele Giftstoffe, die vom Passivraucher inhaliert werden.

Unter Rauchern ist die Floskel verbreitet, ein Raucher lebe kürzer, aber er stürbe auch rascher und somit angenehmer. Hinter diesem Spruch steckt ein frommer Wunsch, aber nicht die Wahrheit. Raucher sterben zwar deutlich früher, bleiben aber nicht von chronischer Krankheit und schlimmen Leiden verschont. Dies gilt nicht nur für Patienten mit Bronchialkarzinom, sondern besonders auch für solche mit Lungenemphysem, chronisch obstruktivem Syndrom sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Jugendliche, ganz besonders die jungen Mädchen müssen vor der Verführung durch die verantwortungslose Propagierung des Zigarettenrauchens geschützt werden. In Bezug auf den Schutz der Bevölkerung vor aktivem und passivem Rauchen hinkt Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen Ländern leider hinterher. Dies gilt nicht nur für das Werbeverbot für Tabakwaren, sondern auch für das Rauchverbot in Bars, Restaurants und öffentlichen Einrichtungen. Sinnvoll wäre ein Unterricht in Schulen, zumindest zwei Stunden pro Jahr, über die Schädlichkeit und die negativen Auswirkungen des Zigarettenrauchens.

 
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