Warum sind Ratings für Staatsanleihen in aller Munde?

Ratings sollen bei der Kreditwürdigkeit von Staaten eine Orientierung geben. Dabei beinhaltet die Kreditwürdigkeit sowohl die Fähigkeit eines Staates, die Zinsen einer Anleihe zu bezahlen, als auch die Fähigkeit, die Anleihe selbst wieder zurückzuzahlen.

Nehmen wir ein Beispiel: Anleihen von Staaten, bei denen man davon ausgeht, dass sie sehr sicher ihre Zinsen und das geliehene Kapital fristgerecht zurückzahlen werden, haben eine äußerst geringe Ausfallwahrscheinlichkeit. Diese werden von der Ratingagentur Standard & Poor’s durch die oft zitierte AAA-Bewertung gekennzeichnet. Standard & Poor’s prüft also nichts anderes als die Kreditwürdigkeit eines Staates und gibt damit den Investoren eine Orientierung, ob sie ihr Geld mit »gutem Gefühl« einem bestimmten Staat leihen können.

Für viele Investoren ist ein Rating jedoch mehr als nur eine Orientierung, weil es dieser Gruppe von Investoren per Gesetz oder durch andere juristische Rahmenbedingungen nur erlaubt ist, in AAA-Anleihen ihr Kapital ganz oder in großen Teilen anzulegen. Damit soll sichergestellt werden, dass die Zinszahlung und die Rückzahlung der investierten Gelder -beispielsweise von Lebensversicherungsgesellschaften oder von Stiftungen -so sicher wie möglich erfolgt.

In der aktuellen Staatsschuldenkrise sehen sich diese Investoren der Herausforderung gegenüber, dass Anzahl und Volumen dieser »Triple-A-Anleihen« in den vergangenen Jahren stark gesunken sind:

  • • Im Februar 2010 betrug das Volumen von AAA-Anleihen weltweit 8 Billionen US-Dollar.
  • • Im Juli 2011 ist diese Zahl auf über 10 Billionen US-Dollar angestiegen.
  • • Im August 2011 wurden die USA von Standard & Poor’s von AAA auf AA herabgestuft, und das Volumen der Triple-A-Anleihen hat sich fast halbiert auf etwas über 5 Billionen US-Dollar.
  • • Im Februar 2012 traf es dann Frankreich und Österreich mit einem Downgrade von Standard & Poor’s.
  • • Im Februar 2013 hat Moody’s Großbritannien aus der Höchstbewertung herausgenommen und eine Stufe nach unten gesetzt.

Diese Chronologie zeigt, dass der Rückgang an AAA-Anleihen nicht etwa daher kommt, dass Staaten oder Unternehmen keine neuen Anleihen mehr begeben. Das geschieht mehr denn je. Die neue Situation ist die, dass immer weniger Schuldner mit AAA bewertet werden. In den vergangenen Jahren ist das Volumen dieser begehrten Anleihen von 10 Billionen US-Dollar um 70 Prozent auf 3 Billionen US-Dollar gesunken. Das heißt aber eben auch für Investoren, dass sich das Universum, in das sie investieren dürfen, um 70 Prozent verkleinert hat. Das Angebot ist also bei gleicher oder teilweise zunehmender Nachfrage deutlich geringer geworden. Damit steigt natürlich der Preis für diese Art von »Gütern«, sprich der Kurs der Anleihen. Und nachdem sich bei festverzinslichen Wertpapieren Kurs und Effektivverzinsung gegengleich verhalten, sinkt die Verzinsung dieser Anleihen natürlich entsprechend.

 
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