Wie gehen Ratingagenturen bei der Vergabe von Ratings vor?

Ratingagenturen wollen mit ihren Ratings Orientierungen geben sowie die Prüfung von Investitionen vereinfachen und verkürzen. Dennoch mehren sich kritische Stimmen gegenüber Ratingagenturen, da deren Urteil zum einen nicht zwingend richtig sein muss. Zum anderen beeinflussen Ratingagenturen mit ihren Ratings und vor allem mit deren Veränderungen - beispielsweise Herauf- oder Herabstufung von Länderbonitäten - natürlich die Märkte ganz enorm.

Dieser große Einfluss wird zunehmend thematisiert. Denken Sie an folgende Reaktionskette: Standard & Poor’s hat die Bonität Spaniens überprüft und denkt, dass die spanische Wirtschaftskraft mit der Zeit geringer geworden ist. Als Folge dessen wird das Land Spanien von der Ratingagentur S&P von A auf BB herabgestuft. Das bedeutet für den spanischen Staat, dass er für neue Anleihen am Markt die Zinsen entsprechend einem BB-Rating bezahlen muss, weil sonst kein Investor mehr eine Anleihe vom Emittenten Spanien kaufen würde. Musste beispielsweise Spanien noch 4 Prozent Zinsen für eine Anleihe am Markt bezahlen, als das A-Rating noch galt - z. B. 4 Millionen Euro für eine Anleihe mit einem Volumen von 100 Millionen Euro -, so ist Spanien durch die Bonitätsherabstufung gezwungen, nun beispielsweise 6,5 Prozent Zinsen - also 6,5 Millionen Euro im selben Beispiel - zu vergüten.

Dass also aus der Vergabe von Ratings durchaus wirtschaftlicher und sozialer Sprengstoff entstehen kann, wird mit diesem Beispiel deutlich.

Ratingagenturen betrachten bei der Vergabe von Ratings zunächst einmal Vergangenheitsdaten. Aufbauend darauf werden gegenwärtige und künftige Faktoren in den Prozess einer Ratingvergabe einbezogen. Somit kann man sagen, dass Ratingagenturen sowohl versuchen, in den »Rückspiegel« zu schauen, als auch vor allem, künftige Ereignisse durch die »Frontscheibe« zu betrachten. Insbesondere der Blick in die Zukunft ist und bleibt verständlicherweise sehr schwierig. Die zukünftigen Auswirkungen von heutigen ökonomischen Sachverhalten sind auch in der aktuellen Situation der Finanz-, Euro- und Staatsschuldenkrise das meistdiskutierte Element des Ratingvergabe-Prozesses. Neben allen Bedenken und Schwierigkeiten steht jedoch fest, dass nur wenige Beteiligte des Wirtschaftslebens auf Ratings verzichten wollen, zumal diese eine ganze Flut an Informationen erfassen, verdichten und in Form kurzer, einfacher »Noten« bewerten.

 
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