Was ist Inflation, und wie entsteht sie?

Inflation ist Geldentwertung. Natürlich bleibt ein Euro auch weiterhin eine Münze mit einer aufgeprägten »1«, und 10 Euro sind weiterhin ein Schein mit einer aufgedruckten »10«. Wenn jedoch die Menge an Gütern und Dienstleistungen geringer wird, die ich für diesen Geldbetrag kaufen kann, dann sprechen wir von Geldentwertung, also von Inflation. Nicht der nominale - aufgeprägte oder aufgedruckte - Geldwert, sondern der Gegenwert, den ich für mein Geld bekomme, wird geringer. Mein Geld verliert an Kaufkraft, und deswegen spricht man bei Inflation auch von Kaufkraftverlust.

Von einem Tag auf den nächsten ist das zumeist natürlich nicht zu spüren. Über einen längeren Zeitraum jedoch wird die Menge an Gütern und Dienstleistungen, die ich für beispielsweise 10 000 Euro erhalte, immer geringer.

Startkapital: Inflation in Höhe von 10.000 €

  • 5 Jahre 9.076 € 8.626 € 7.835 €
  • 10 Jahre 8.203 € 7.441 € 6.139 €
  • 20 Jahre 6.730 € 5.537 € 3.769 €

Tabelle 12: Kaufkraftverlust durch Inflation am Beispiel von 10 000 Euro

Bei einer Geldentwertung von jährlich 2 Prozent verbleibt von den ursprünglichen 10 000 Euro nach fünf Jahren noch eine Kaufkraft von 9076 Euro, nach 10 Jahren sind es noch 8203 Euro, und nach 20 Jahren verbleiben Ihnen noch 6730 Euro, um damit im Supermarkt Ihren Warenkorb zu füllen. Geht man von einer Inflationsrate von 5 Prozent jährlich aus, dann schaut diese Rechnung natürlich noch viel schlechter aus. Nur etwas mehr als ein Drittel der ursprünglichen Kaufkraft von 10 000 Euro verbleibt hier nach 20 Jahren.

Nur sehr ungern widerspreche ich Oscar Wilde, der einmal sagte: »Heutzutage kennen die Leute von allem den Preis und von nichts den Wert!« Meine Wahrnehmung ist nämlich, dass nur wenige Menschen den Preis der von ihnen gekauften Güter kennen. Die von vielen im Internet standardmäßig angestellten Preisvergleiche beziehen sich meistens auf mögliche größere Anschaffungen (Gebrauchsgüter) und weniger auf die Güter und Dienstleistungen des täglichen Lebens (Verbrauchsgüter). Dabei sind es die Preise für Verbrauchsgüter und Dienstleistungen, die wir für die in der langfristigen Zukunft liegende Altersvorsorge im Auge behalten sollten.

Geldentwertung (Inflation) ist ebenso wie Geldaufwertung (Deflation) zumeist das Ergebnis von Ungleichgewichten. Diese Ungleichgewichte können bei Angebot und Nachfrage von Gütern und Dienstleistungen entstehen, und ebenso kann es zu Ungleichgewichten zwischen Geld- und Gütermenge kommen. Steigt die in Umlauf befindliche Geldmenge -beispielsweise durch die Notenpresse der Zentralbank - schneller als die produzierte Gütermenge, ist folglich mehr Geld als Güter vorhanden, dann kann das durch eine zunehmende Güternachfrage zu höheren Güterpreisen führen.

Nehmen wir zur Verdeutlichung zwei Beispiele: Wenn die Nachfrage nach Brot schnell steigt und das Angebot nicht ebenso schnell erhöht werden kann - also nicht genug Brot schnell genug gebacken werden kann -, dann führt dieser Nachfrageüberhang zu höheren Brotpreisen. Die Nachfrage ist schließlich größer als das Angebot, und somit können Bäcker einen höheren Preis für ihr Brot verlangen. Gibt es dieses Phänomen nicht nur bei einem Gut, sondern bei einer Vielzahl an Gütern, dann sprechen wir von Inflation.

Ein weiteres Beispiel bezieht sich auf das Ungleichgewicht von Geldmenge und Gütermenge. Erhöht die Notenbank schnell die im Umlauf befindliche Geldmenge und wird das Angebot an Gütern nicht ebenso schnell erhöht (was durchaus der Realität entspricht), dann führt diese größere Geldmenge zu erhöhter Güternachfrage und damit zu steigenden Güterpreisen, sprich zu Inflation. Zu bedenken ist dabei, dass die größere vorhandene Menge an Geld natürlich nicht gleichmäßig in der Bevölkerung verteilt ist und nicht jeder zwangsläufig kurzfristig mehr Geld hat, wenn die Notenbank die Geldmenge erhöht.

 
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