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2 Politische und ökonomische Bildung

Kapitel 2 soll dazu dienen, zunächst den Integrationsgedanken, ausgehend vom Wesen politischer und ökonomischer Bildung, theoretisch konzeptionell zu diagnostizieren. Die Annäherung erfolgt hierbei über die jeweiligen Bildungsbegriffe sowie deren Verknüpfung im Rahmen vorliegender Allgemeinbildungskonzepte (Abschnitt 2.1). Die aktuelle Diskussion um die (schul-) fachliche Verortung von ökonomischer Bildung kann weitere Aufschlüsse darüber verschaffen, inwieweit einerseits Verschränkungen gegeben sind, andererseits man dem Integrationsgedanken in der deutschen Bildungslandschaft praktisch gerecht wird (Abschnitt 2.2). Die Überprüfung der möglichen Einbeziehung ökonomischer Aspekte in der politischen Bildung erfolgt unter der Maßgabe, dass Ökonomie als politisches Teilsystem (Deichmann 2004, S. 89, Abb. 7) klassifiziert wird und sich im Rahmen dessen der politikdidaktischen Diskussion stellt (Abschnitt 2.3).

2.1 Bildungsbegriff und Selbstverständnis

Dieser Abschnitt illustriert zunächst das Selbstverständnis von politischer Bildung einerseits und ökonomischer Bildung andererseits. Die Darstellung erfolgt durch Erklärungen zum wissenschaftlichen Selbstbild des jeweiligen Bildungsbegriffs und zur jeweiligen Stellung im Rahmen eines beanspruchten Allgemeinbildungskonzepts. Der Leser soll mittels Fokussierung auf die Bildungsbegriffe das breite Spektrum der politischen Bildung und die diesbezügliche Bedeutung der ökonomischen Bildung erkennen – heutige politische Bildung schließt ökonomische Bildung als Teilbereich ein, wenngleich ökonomische Bildung einen eigenständigen Bildungsbegriff darstellt.

2.1.1 Politische Bildung – Wesen/Zielbestimmung/Schulfach

Das Selbstverständnis der politischen Bildung geht eng einher mit der Ausprägung und dem Wesen einer Gesellschaft. In unserer Gesellschaft mit einer modernen demokratischen Weltanschauung soll politische Bildung (sowohl schulisch als auch außerschulisch) dem Menschen die Partizipation am öffentlichen Leben ermöglichen (Sander 2008b, S. 256).

„Das Ziel der politischen Bildung, die ‚aktive Wahrnehmung der Bürgerrolle durch die Entwicklung einer demokratischen politischen Identität', verlangt von Bürgern

[...] analytische Fähigkeiten, seine Verwirklichung setzt aber auch eine emotionale Disposition für politisches Handeln voraus.“ (Deichmann 2004, S. IX)

Zur Realisierung dieses Ziels bedarf es hiernach folgender Voraussetzungen (Deichmann 2004, S. 22ff.):

1. Politische Bildung ist Teil des gesamtgesellschaftlich-politischen Kommunikationsprozesses. Politische Bildung erfolgt durch Lehrerinnen und Lehrer in der Rolle von Moderatoren zwischen Alltagswelt und Politik und vermittelt analytische und methodische Fähigkeiten zur Teilnahme an diesem Kommunikationsprozess.

2. Politische Bildung erfolgt durch die Verknüpfung von Didaktik und Methodik unter dem Aspekt der Teilnehmertätigkeit. Teilnehmerselbsttätigkeit bzw. Selbsttätigkeit einer Gruppe bilden eine lerntypische Grundsituation für das Üben von Partizipationsfähigkeit.

3. Politische Bildung differenziert zwischen Innenund Außenseite der Bürgerrolle, das heißt, zwischen Identitätsbildung (Innenseite) und Aktivität als Bürger in den Teilsystemen der Gesellschaft (Außenseite). Die Differenzierung soll hierbei unter der Maßgabe der Integration erfolgen: „Aktive Wahrnehmung der Bürgerrolle durch Entwicklung demokratischer politischer Identität“ (Deichmann 2004, S. 33, Abb. 5).

4. Politische Bildung steht im Zusammenhang zwischen politischer Identität und politischem Ordnungswissen.

Ausgehend vom Selbstverständnis und der Zielstellung politischer Bildung, leitet sich ein gesamtgesellschaftlicher Anspruch an die politische Bildung ab, der sich mit der Verankerung von politischer Bildung als Schul-/Unterrichtsfach in allen Schulformen der deutschen Bundesländer (Weißeno 2007, S. 341) niederschlägt. HENKENBORG hat in diesem Zusammenhang den besonderen Beitrag, die „Philosophie des Politikunterrichts“, als Unterrichtsfach reflektiert und auf zwei Thesen reduziert (Henkenborg 2001, S. 1):

1. Politische Mündigkeit soll durch Demokratie-Lernen mittels der Entwicklung geeigneter Schlüsselqualifikationen gefördert werden.

2. Kategoriale Grundfragen ermöglichen eine gebotene schüleraktive Auseinandersetzung mit aktuellen und künftig absehbaren Kernproblemen aus sozialwissenschaftlicher Perspektive.

In ihrem Entwurf „Nationale Bildungsstandards für den Fachunterricht in der Politischen Bildung an Schulen“ (GPJE 2004) legt die GPJE ein fachdidaktisch wissenschaftliches Konzept für derzeitig relevante Standards im Bereich der politischen Bildung an Schulen vor. Im Kapitel „Der Beitrag des Fachs Politische Bildung zur Bildung“ (GPJE 2004, S. 9ff.) wird sich auf einen „umfassenden Politikbegriff“ berufen, der sich auf Fragen und Probleme der Politik im engeren Sinne, des gesellschaftlichen Zusammenlebens sowie auf rechtliche und wirtschaftliche Fragen und Probleme beziehen soll. Diese Problembereiche sind, gemäß der Forderung zur Vermittlung von wohldefinierten Kompetenzen, nicht losgelöst voneinander, sondern im gegenseitigen Bezug zueinander im Unterricht zu behandeln (ebd.).

Mit dieser Sichtweise auf die politische Bildung stellt sich heraus, dass Politikunterricht sich nicht allein auf die Lehre der Politikwissenschaft berufen kann, sondern dass dieser sich verschiedener Perspektiven der Sozialwissenschaften bedienen muss (GPJE 2004, S. 9). SANDER greift hierbei die „fächerübergreifende Sichtweise im eigenen Fach“ für die politische Bildung auf (Sander 2008a, S. 60), welche PANDEL für das heutige Unterrichtsfach Geschichte prägte (Pandel 2001, S. 7f.). In diesem Zusammenhang stellen neben der Politikwissenschaft vorrangig Soziologie, Wirtschaftswissenschaften und Rechtswissenschaften, aber auch Geschichtswissenschaft, Psychologie, Philosophie und Religionswissenschaften weitere Perspektiven für den Politikunterricht dar (Sander 2008a, S. 60). SANDERS Betonung des „sozialwissenschaftlichen Profils der politischen Bildung“ richtet sich dabei vornehmlich an den nützlichen Beitrag der Sozialwissenschaften für die politische Bildung – politische Bildung ist kein Abbild einer sozialwissenschaftlichen Systematik, auch lässt sie sich aus ihr nicht ableiten (Sander 2008a, S. 70). Ebenso erhebt politische Bildung für sich den Anspruch, weder Unterricht in Sozialwissenschaften (ebd.), noch diesen in den einzelnen Fachrichtungen (Ökonomik, Recht, Geschichte etc.) abzudecken (Weißeno 2007, S. 344). Trotz inhaltlicher und kategorialer Überschneidungen vollzieht sich Politikunterricht unter Fragestellungen politischer Eigenlogiken und unterliegt derzeit vielfachen Bestrebungen, als Integrationsfach (ver-) konzipiert zu werden. WEIßENO verweist beispielhaft auf den Druck der Wirtschaftsverbände für ein eigenes Schulfach Wirtschaft, der in der Vergangenheit in Form von Stundenanteilen zu Lasten des Politikunterrichts ging (ebd.).

 
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