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2.1.2 Ökonomische Bildung – Wesen/Aufgabe/Notwendigkeit

Das Selbstverständnis der ökonomischen Bildung zu beschreiben, beginnt mit der Formulierung einer tragenden Definition. Eine solche, bezogen auf schulisch allgemeinbildende ökonomische Bildung, wurde von KAMINSKI verfasst (Burkard 2004, S. 36):

„Ökonomische Bildung ist die Gesamtheit aller erzieherischen Bemühungen in allgemeinbildenden Schulen, Kinder und Jugendliche mit solchen Kenntnissen, Fähigkeiten, Fertigkeiten, Verhaltensbereitschaften und Einstellungen auszustatten, die sie befähigen, sich mit den ökonomischen Bedingungen ihrer Existenz und deren sozialen, politischen, rechtlichen, technischen und ethischen Dimensionen auf privater, betrieblicher, volkswirtschaftlicher und weltwirtschaftlicher Ebene auseinander zu setzen, mit dem Ziel, sie zur Bewältigung und Gestaltung gegenwärtiger und zukünftiger Lebenssituationen zu befähigen.“ (Kaminski 1996, S. 18f.)

Der tragende Konsens in der Definition des Bildungsbegriffs besteht hierbei unter anderem in der Zielstellung einer ökonomischen Bildung; der Bewältigung ökonomisch/wirtschaftlich geprägter Lebenssituationen (vgl. u.a. Kruber 1994,

S. 16; Tenfelde 2008, S. 407f.; May, H. 2009, S. 3). Vor dem Hintergrund eines allgemeinen Auftrags von Bildung an sich (Entwicklung der Persönlichkeit), ist ökonomische Bildung am Leitbild des „mündigen Wirtschaftsbürgers“ ausgerichtet (Albers 1995, S. 2f.).

Abbildung 1: Ökonomische Bildung

In Abbildung 1 ist das Bildungsverständnis nach ALBERS dargestellt. Dem Menschen stellen sich zu bewältigende Lebenssituationen im privaten, gesellschaftlichen und beruflichen Leben, denen er als mündiger Wirtschaftsbürger „tüchtig, selbstbestimmt und verantwortlich“ begegnen muss (Albers 1995, S. 3f.).

TENFELDE erweitert und konkretisiert das Spektrum der zu bewältigenden Lebenssituationen um die berufsbezogene ökonomische Bildung, die sich an den komplexen Handlungsfeldern wirtschaftlich beruflicher Alltagsund Geschäftsprozesse orientiert (Tenfelde 2008, S. 409f.).

Eine andere Sichtweise zur ökonomischen Bildung liefert HEDTKE; er unterscheidet wirtschaftswissenschaftliche, wirtschaftliche und rationale Bildung als drei „grundlegende analytisch unterscheidbare Denkansätze für ökonomische Bildung“ (Hedtke 2008, S. 1):

1. Wirtschaftswissenschaftliche Bildung als ökonomische Bildung im engeren Sinne dient der Aneignung wirtschaftswissenschaftlicher Kompetenzen.

2. Wirtschaftliche Bildung als ökonomische Bildung im weiteren Sinne dient dem Erwerb von Kompetenzen im Realitätsbereich Wirtschaft. Hierfür liefern neben den Wirtschaftswissenschaften auch andere wissenschaftliche Fachdisziplinen (Politikwissenschaft, Soziologie usw.) Wissen, das sich bis hin zu „pragmatischem Wissen“ für Berufswähler, Familien, Unternehmer, Arbeitnehmer, Steuerzahler oder Konsumenten erstreckt.

3. Rationale Bildung ist die Aneignung allgemein wissenschaftlicher Denkmuster. Unter Inanspruchnahme verschiedener Wissenschaften wird der Realitätsbereich Wirtschaft überschritten und sich anderen Bereichen (Politik, Gesellschaft, Familie etc.) handlungstheoretisch zugewandt.

Losgelöst vom Auffassungsspektrum über Wesen und Aufgabe der ökonomischen Bildung gilt: „Ökonomische Bildung ist ein wichtiger und unverzichtbarer Bestandteil der Allgemeinbildung!“ (DVPB 2011, S. 1)

Die Notwendigkeit ökonomischer Bildung wird hierbei gleichsam von Vertretern der Politikdidaktik sowie federführenden Didaktikern der ökonomischen Bildung unterstrichen (Massing 2006, S. 80f.). [1]

„Kontrovers dagegen ist die Frage, ob der fachliche Ort zum Erwerb solcher Kenntnisse in erster Linie der Politikunterricht ist, ob ein Kombinationsfach oder ein integriertes Schulfach sinnvoll ist, ob ökonomische Bildung fächerübergreifend erfolgen soll, ob es eines eigenständigen Faches bedarf oder ob ökonomische Bildung als Unterrichtsprinzip ausreicht.“ (Massing 2006, S. 86)

Diese Kontroverse spiegelt sich in der Berücksichtigung von ökonomischer Bildung in den schulischen Lehrplänen der einzelnen Bundesländer wider. Der Forderung nach ökonomischer Bildung als Teil der Allgemeinbildung wird nachweislich Rechnung getragen. Die praktische Umsetzung bildet das Spektrum dieser Kontroverse ab, zum Beispiel (Tschirner 2008, S. 75ff.):

Ÿ Integrationsfächer Politik/Wirtschaft in Hessen, Niedersachsen, Hamburg

Ÿ Arbeitslehre an Haupt-, Realund Gesamtschulen, beispielsweise in Hessen

Ÿ ökonomische Inhalte in den Fächern Gesellschaftslehre, Erdkunde, Arbeitslehre und Geschichte in Nordrhein-Westfalen

Ÿ eigenständige Fächer Wirtschaft bzw. im Fächerverbund Wirtschaft/Recht/ Technik in Bayern, Sachsen, Thüringen

Dieser skizzierte Überblick zur Organisation der ökonomischen Bildung kann ferner mit Beispielen untersetzt werden, die verdeutlichen, dass die vermehrte Berücksichtigung der ökonomischen Bildung in einzelnen Bundesländern mitunter auf Kosten politischer und soziologischer Stundenkontingente erfolgte (Tschirner 2008, S. 76).

Unabhängig von der Organisationsform der ökonomischen Bildung an Schulen liegen seitens der Deutschen Gesellschaft für ökonomische Bildung (DeGöB) Standards der ökonomischen Bildung für den Grundschulabschluss, den mittleren Schulabschluss und den Abschluss der gymnasialen Oberstufe vor (DeGöB 2011). Konkret werden hierbei übergreifend fünf zu fördernde Kompetenzen in den Mittelpunkt der ökonomischen Bildung gestellt (DeGöB 2004, 2006, 2009, jeweils S. 1):

Ÿ „Entscheidungen ökonomisch begründen“

Ÿ „Handlungssituationen ökonomisch analysieren“

Ÿ „Ökonomische Zusammenhänge erklären“

Ÿ „Rahmenbedingungen der Wirtschaft verstehen und mitgestalten“

Ÿ „Konflikte perspektivisch und ethisch beurteilen“

Es bleibt festzuhalten, dass ökonomische Bildung bundesweit praktizierter Bestandteil innerhalb (Teil eines Faches/mehrerer Fächer) und außerhalb (z.B. Schulprojekte) des Unterrichts sowie außerhalb der Schule (Zusammenarbeit mit außerschulischen Partnern) ist (KMK 2008, S. 7).

  • [1] In diesem Zusammenhang sind ebenfalls die Didaktiker der sozialwissenschaftlichen Bildung zu nennen, die ebenfalls den allgemeinbildenden Bestandteil der ökonomischen Bildung in besonderem Maße ihre notwendige Aufmerksamkeit schenken und diesen Konsens stützen
 
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