Was ist Quality Time?

Vor ziemlich genau 40 Jahren wurde die Quality-Time erfunden. Die Idee dahinter ist: Es kommt nicht auf die Menge der Zeit an, sondern darauf, wie man sie nutzt. Da ist etwas dran. Wenn beide Eltern berufstätig sind, kann Quality Time unter der Woche die Rettung sein. Hier schon mal eine Idee: Die ersten 20 Minuten nach dem Nachhausekommen gehören ausschließlich der Familie. Bevor Mikrowelle und Fernseher angeworfen und Job und Schule abgefragt werden, heißt es Kuscheln, Lachen, Erzählen.

Jetzt kommt das Aber: Selbst mit bestem Willen und perfekter Planung und Organisation lässt sich das Familienleben nicht so effizient gestalten wie ein Softwareunternehmen. Quality Time ist ein Erwachsenen-Konstrukt und nur sehr bedingt kompatibel mit den Bedürfnissen und dem Zeitverständnis von Kindern. Kinderzeit ist anders und vor allem langsamer als Erwachsenenzeit, die schnell und effektiv ist und immer sinnvoll genutzt werden will. Das bedeutet,

Kinderzeit darf nicht ohne Not immer aufgeschoben werden. «Später habe ich Zeit», «morgen bestimmt». Wenn man Gefahr läuft, in dieses Mühlrad zu geraten, kann man sich vielleicht einmal fragen: Was ist, wenn es kein Morgen gibt?

Eine geballte Quality-Stunde mit Superprogramm ist kein Alibi für ein schlechtes Elterngewissen. Kinder brauchen Sonntage im Schlafanzug, die gemeinsam mit Pfannkuchen essen, Uno spielen und einer lustigen Serie auf dem Familiensofa vertrödelt werden. Sie brauchen auch die stille Anwesenheit eines Elternteils, wenn sie lesen, Schulaufgaben oder Bastelarbeiten machen. Sie brauchen Eltern, die spontan Zeit haben, eine umständliche Inszenierung mit Kochtopfgetrommel im Kinderzimmer zu verfolgen und dafür auf einen «richtigen» Theaterabend oder Kinobesuch verzichten.

Vor drei Jahren hat die amerikanische Filmemacherin Tiffany Shlain, Mutter von zwei Kindern im Alter von acht und sechs Jahren, den «National Day of Unplugging» initiiert. Freitags von Sonnenuntergang bis Sonnenuntergang am Samstag kein Handy, E-Mail, Skype und Twitter, und das Festnetz nur für Notfälle. Besuche sind willkommen, aber keine häuslichen Reparatur- und sonstigen Arbeiten. 24 Stunden ohne Termine, ohne festes Programm und ohne innere Stimme, die mahnt: Eigentlich musst du aber...> Dafür Zeit zum gemeinsamen Essen und Spielen, zum Zuhören, Erzählen, Trösten, zum Herumalbern und Kuscheln. Eine Idee, der man sich anschließen kann: cultureun-plugged.com. Der größte Feind des Familienlebens ist nämlich nicht der Streit, sondern das genervte, gehetzte Nebeneinander.

 
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